Tablet-Erfolgsgeschichte

3 Jahre iPad in Deutschland

28.05.2013
Von 


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Wer hätte damit gerechnet? In nur drei Jahren hat es Apple mit dem iPad geschafft, das Tablet als neue Geräteklasse zu etablieren und Thema Mobile Computing neu zu erfinden. Wir blicken zurück.

Egal ob im Meeting, im Cafe oder im Zug: Apple-Tablets sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Dabei ist es gerade einmal drei Jahre her, dass das iPad hierzulande verfügbar ist. Am 27. Januar 2010 stellte Steve Jobs das Apple-Tablet in San Francisco als „neues revolutionäres Gerät“ vor, am 3. April des Jahres kam es in den USA auf den Markt und am 28. Mai war das Device dann endlich auch in Deutschland erhältlich.

Bereits lange vorher, als gerade einmal die ersten Gerüchte zu einem geplanten „iSlate“-Device aufkeimten, hatten sich schon Kritiker skeptisch über dessen Erfolgsaussichten geäußert – kein Wunder, war doch zuvor bereits Microsoft beim Versuch, mit einem Tablet-Computer zu punkten, zuvor kläglich gescheitert. Anstatt einzuschlagen, blieben die tragbaren PCs mit Touchscreen-Bedienung ein Produkt, das lediglich in Bereichen wie der Lagerverwaltung eine Nische fand.

Und auch nach der Vorstellung des iPad blieben die Begeisterungsstürme weitgehend aus. So wurde bezweifelt, dass sich das Gerät als Lückenfüller („the missing link“) zwischen iPod Touch und MacBook durchsetzen würde. Wer ist bereit, zwischen 499 und 799 Euro für ein Gerät ohne Kamera, Flash-Unterstützung oder USB-Port zu zahlen, so die Gretchenfrage, wenn man zu diesem Preis bereits ein voll ausgestattetes Notebook mit DVD-Laufwerk, Kartenleser und allen möglichen Anschlüssen, ja für 300 Euro sogar schon ein Netbook mit PC-Funktionen bekommt.

Gemischtes Feedback

Auch die Ergebnisse der ersten Praxistests waren gemischt. Apples iPad sei kein Gerät, welches ein Netbook, Notebook oder den Desktop-PC überflüssig macht, resümierte etwa ein Kollege vom „TecChannel“, der das Gerät ausgiebig getestet hatte. Auch ein „künstliches“ Herbeireden, wie prima sich ein iPad im Business-Einsatz macht, sei zu 95 Prozent Unsinn. Letztendlich sei das Tablet auch zu schwer und zu groß, um es zusätzlich in der Aktentasche mitzuschleppen. Eine Daseinsberechtigung gestand der Kollege dem Gerät dennoch zu – als ideales Couch-Device.


Die Schwesterpublikation "MacWelt" sah das Ganze nicht viel differenzierter: „Das iPad ist zu groß, um ein ständiger Begleiter zu sein und für produktive Aufgaben ist es weniger geeignet als ein Laptop. Die besten Chancen hat das iPad im heimischen Umfeld. Als Sofa-Surfgerät, Balkon-Unterhalter oder auch als gelegentlicher Reisebegleiter spielt es seine Stärken aus.“

Auch wenn an den Kritikpunkten einiges dran war (und bis heute ist), das iPad stellte nur kurz nach dem Erscheinen Absatzrekorde auf. In nur 28 Tagen durchbrach Apple die Schallmauer von einer Million verkaufter iPads, damals noch ausschließlich in den USA. Bis Ende Juni 2010 setzte das Unternehmen dann - weltweit – insgesamt 3,3 Millionen Stück ab und bis heute sind es insgesamt über 120 Millionen verkaufte Geräte.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Apple die Konkurrenz mit dem Ur-iPad aus technischer und strategischer Sicht nicht ganz so stark überrumpelte wie mit dem iPhone. Dennoch konnten die Wettbewerber dem Apple-Tablet aber lange Zeit nichts wirklich Vergleichbares entgegensetzen. Wie beim Märchen von „Hase und Igel“ war das iPad der immer einen Schritt voraus und in der nächsten Version immer etwas dünner, leichter und/oder schneller als die Konkurrenzprodukte. Was erschwerend hinzu kam (und kommt): Dank der hohen Stückzahlen, den zahlreichen AppleShops und allgemein dem Ökosystem um iTunes sind die Kalifornier in der vorteilhaften Situation, wettbewerbsfähige Preise für ihr Tablet aufzurufen und trotzdem eine hohe Gewinnmarge zu erzielen.

Die Konkurrenz tat sich da schwerer: Nach Kalkulationen von iSuppli kostete etwa die Hardware des Motorola Xoom, 2011 das am ehesten dem iPad nahekommende Android-Tablet, in der Herstellung 360 Dollar – ein vergleichbares iPad der zweiten Generation mit 3G und 32GB Speicher dagegen nur 320 Dollar. Apple konnte es sich jedoch leisten, das Gerät letztendlich für 729 Dollar anzubieten, während Motorola trotz einer unverbindlichen Preisempfehlung von 799 Dollar für sein Xoom wohl nur einen geringen Gewinn erzielte. Nicht zu vergessen sind auch die Patentstreitigkeiten rund um das iPad, mit denen Apple hartnäckige Widersacher und vor allem den Erzfeind Samsung auf Distanz halten wollte.

Konkurrenz durch Mini-Tablets

Erst jetzt scheint die Konkurrenz mit niedrigmargigen oder gar quersubventionierten 7-Zoll-Geräten wie dem Nexus 7 oder dem Kindle Fire langsam die Lösung für dieses Dilemma gefunden zu haben, weshalb Apple sogar mit dem iPad Mini mit 8-Zoll-Display gegensteuern musste – im Oktober 2010 hatte sich der damalige Firmenchef Steve Jobs noch verächtlich zu den Mini-Tablets geäußert und gemeint, sie seien „tot bei Ankunft“. Denn um richtig mit Smartphones zu konkurrieren, seien sie zu groß, gegenüber dem iPad jedoch zu klein. Dennoch gehen Marktforscher davon aus, dass Android-Tablets bereits in diesem Jahr die Oberhand bekommen werden.

Die beschriebenen Veränderungen betreffen allerdings primär den Privatkundenbereich, wo günstige Tablets verstärkt als Ersatz für E-Book-Reader verwendet werden. Im Business-Umfeld, wo sich das iPad schon früh ausbreitete, eroberte es sich schnell einen Stammplatz und ist weiterhin praktisch unangefochten. Grund für den durchschlagenden und anhaltenden Erfolg ist zum einen, dass das 2007 gestartete iPhone bereits gute Vorarbeit geleistet hatte. So waren schon von Anfang an alle iPhone-Apps – 2010 immerhin schon 140.000 Stück – prinzipiell auch auf dem iPad nutzbar.

Gleichzeitig überschlugen sich die Softwarehersteller mit neuen, an den Formfaktor des 10-Zoll-Tablets angepassten Apps und Lösungen. Schon früh gab es von zahlreichen Business-Anwendungen iPad-Versionen, Apple selbst sorgte mit seiner „iWork“-Sammlung wichtige und mit Microsofts Office-Programmen kompatiblen Produktivitäts-Apps (Pages, Numbers und Keynote) dafür, dass ein iPad als Tool für Besprechungen und Meetings meist vollständig reichte. Nicht zuletzt war es natürlich auch subjektiven Faktoren und insbesondere dem Namen Apple zuzuschreiben, dass sich das Tablet im Unternehmen so stark durchsetzen konnte.