Business Intelligence

TUI betreibt Data Analytics in der Private Cloud

30.04.2015
Von 
Daniela Hoffmann ist freie IT-Fachjournalistin in Berlin.

Wie wird die Anwendung Cloud-fähig?

Mit dem Wechsel der Infrastruktur verbunden war ein Upgrade auf die Cognos-Version 10. Zunächst wurde ein Konzept erarbeitet, um die Anwendung überhaupt Cloud-fähig zu machen. Es ging zum Beispiel um die Frage: Welche Services und Schnittstellen werden benötigt, um das System flexibel betreiben zu können? Auch die Prozesssteuerung der Würfelerzeugung stand auf dem Plan. Dafür zog TUI Infotec die Job-Scheduling-Lösung UC4 heran. Für das Ansteuern der Server bei der Verteilung der Batch-Jobs wurde eine individuelle Lösung entwickelt. Bis zu 25 virtuelle Server mit unterschiedlichen Services, Batch-Prozessen und interaktiven Zugriffen sind im Einsatz.

Implementierung und Umstellung waren nach einem halben Jahr, also Ende August 2014, erledigt. Zwei Wochen lang wurden beide Lösungen parallel betrieben, bevor die Cloud-Lösung endgültig in den Produktivmodus ging. Seitdem lassen sich problemlos mehrere tausend Berichte für die etwa 1000 Nutzer erstellen.

Schneller, kleiner, günstiger: Flash-Speicher

Und noch etwas wurde modernisiert: Im Hintergrund, ohne dass die User etwas davon mitbekamen, stellte der IT-Dienstleister das Speicherkonzept für die BI-Daten auf den Kopf. Immerhin laufen in der Batch-Verarbeitung gut 8.000 Prozesse pro Tag, etwa drei bis fünf Terabyte fließen täglich durch das System.

Es hatte sich schon gut ein Jahr zuvor abgezeichnet, dass langfristig Speicherplatzprobleme entstehen würden: Das in die Jahre gekommene Storage-System DS5300 von IBM, auf dem das Enterprise Data Warehouse lagerte, war nicht mehr ausbaufähig; Platz- und vor allem Strombedarf widerprachen modernen Kriterien.

Hohe Random-I/O-Last

Im Rahmen eines Rechenzentrums-Umzugs testete TUI Infotec mit dem Storage-Anbieter Violin einen neuen Speicher: Das "All Flash Array" funktioniert wie ein riesiger USB-Stick und verzichtet auf drehende Festplatten. Die fünf Power-6-Server und das Storage-System von IBM mit 200 Festplatten und 20 Terabyte Datenvolumen wurden für den Umzug als Backup auf den Flash-Speicher gespiegelt, der dann am neuen Standort angeschlossen und direkt in Betrieb genommen wurde.

Die positiven Erfahrungen spornten den Dienstleister und die TUI-Spezialisten an, Flash-Speicher als permanente Lösung weiterzuentwickeln. Der Touristikkonzern hat eine hohe Last an Random I/O (Lese- und Schreibzugriff nach dem Zufallsprinzip, nicht in zusammenhängenden Datenblöcken auf der Festplatte). Gerade für solche Anforderungen eignen sich Flash-Speicher mit ihren kurzen Antwortzeiten besonders gut. Bei den drehenden Platten wären viel mehr Spindelköpfe nötig, um der Aufgabe gerecht zu werden: Neben höheren Investitionen in die Hardware hätte sich das auch im größeren Stromverbrauch bemerkbar gemacht.

Im Dezember 2014 ging die neue Konfiguration mit dem doppelten Speichervolumen in den Live-Betrieb - die Anwender spürten nichts von der Veränderung. Heute kommt mit dem Power8-Server die neueste Server-Generation von IBM zum Einsatz, ergänzt durch das Violin-System 6264. Der Halbleiterspeicher hat derzeit 60 TB Rohkapazität, 40 TB sind es netto. Mit 400.000 In- und Output-Operationen pro Sekunde ist die Lösung deutlich schneller als zuvor, und mit dem neu gewonnenen Platz kann die TUI-BI in den nächsten Jahren nach Herzenslust Daten generieren.

Durch die Beschaffung ergeben sich zunächst höhere Kosten pro Terabyte. Weil aber die TUI nur das an Speicherplatz einkaufen muss was sie wirklich benötigt, zahlt sich die neue Lösung dennoch aus. Auch bei den Energiekosten wird gespart: Brauchte das alte Storage-System 2400 Watt, so sind es beim Flash-Speicher nur 1500. Die neue Lösung ist zudem verlässlicher: Engpässe gehören der Vergangenheit an, weil Lastspitzen abgedeckt sind.

Feilen, bis es passt

Die User honorieren das neue System mit deutlich besserem Feedback. "TUI Infotec hat so lange an den technischen Nuancen und am von uns vorgegebenen Budgetrahmen gefeilt, bis es perfekt gepasst hat", erläutert Grossmann: "Dazu gehörte beispielsweise die Wiederverwendbarkeit von Altkomponenten in Testumgebungen." Man habe dabei auch von den kurzen Wegen bei TUI Infotec profitiert: "Durch die aufeinander abgestimmten Prozesse und die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit können wir uns darauf verlassen, dass im laufenden Betrieb bei Incidents und Changes sofort reagiert wird."

Fazit

Mit dem "Refreshment" der Hardware sowie dem Release- und Infrastrukturwechsel auf Cognos 10 in der Cloud hat sich die BI bei TUI erheblich beschleunigt. "Wir konnten eine Performance-Verbesserung um den Faktor zwei verzeichnen, in einigen Bereichen sogar um den Faktor sieben, beispielsweise bei ETL-Prozessen der Queries", bestätigt Projekt-Owner Stefan Grossmann. Früher war die Tagesproduktion aus dem BI-System um die Mittagszeit bis 15.00 Uhr fertig, heute stehen täglich alle Daten ab 7.00 Uhr bereit. "Die BI-Cubes wurden zuvor am Wochenende bis in den späten Abend hinein produziert. Jetzt sind wir bis zur besten Fußballzeit um 15 Uhr am Samstag fertig, und die Wochenendbereitschaften brauchen sonntags nicht mehr zu arbeiten", so der BI-Leiter.

Projektsteckbrief

Branche: Touristik (Dienstleister)

Projektart: Umstellung der BI-Umgebung inklusive Hardwareerneuerung, Einführung von Flash-Speicher und Umzug in eine Private Cloud

Ziel: generelle Beschleunigung; Beseitigen von Engpässen

Erfolg: doppelte bis siebenfache Geschwindigkeit

Produkte: BI-Software von Cognos; Flash-Speicher von Violin; Job-Scheduling mit UC4

Involvierter Dienstleister: TUI Infotec

Ansprechpartner: Stefan Grossmann, TUI

Die TUI in Zahlen

Zur Konzernmutter TUI Group in Hannover gehören neben Veranstaltern wie L`tur oder 1-2-Fly auch 1800 Reisebüros, Online-Portale, sechs Airlines mit mehr als 130 Flugzeugen, über 300 Hotels mit 210.000 Betten, zwölf Kreuzfahrtschiffe sowie Zielgebietsagenturen in allen wichtigen Urlaubsländern rund um den Globus. Mit rund 77.000 Mitarbeitern und mehr als 30 Millionen Kunden weltweit erwirtschaftete der Konzern im Geschäftsjahr 2013/14 einen Umsatz von 18,7 Milliarden Euro.