10 IT-Trends für 2021

Was CIOs im neuen Jahr wissen müssen

29.12.2020
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Heiko Henkes ist Director Research und Principal Analyst bei ISG Research.

Cloud-native-Philosophie & Service Mesh

In den vergangenen zehn Jahren haben sich neue Muster und Technologien entwickelt, die die Entwicklung und den Betrieb moderner Anwendungen in Cloud-Infrastrukturen ermöglichen. Im Rahmen dieses "Cloud-native"-Ansatzes ist insbesondere Kubernetes als quelloffene Container-Orchestrierungssoftware zur Basis des Stacks geworden, der diesen Anwendungen zugrunde liegt.

Die Vorteile liegen auf der Hand: mehr Geschwindigkeit und Agilität, höhere Qualität und vor allem ein verstärkter Fokus auf das eigene Kerngeschäft. Ferner profitieren verzahnte Dev(Sec)Ops-Teams von robusten, anpassungsfähigen und innovativen Technologieplattformen, die professionell betreut werden wollen und tendenziell ein SaaS-Liefermodell bedingen.

Diesen Vorteilen steht eine Vielzahl neuer Herausforderungen gegenüber, die die Unternehmen im kommenden Jahr weiter beschäftigen werden: Mit der Abkehr von monolithischen Architekturen rücken vor allem Monitoring, Sicherheit und Vernetzung in den Mittelpunkt. Die Risiken wachsen nicht zuletzt wegen des Spannungsverhältnisses zwischen Agilität und Sicherheit.

Deshalb ist der sogenannte Service Mesh in aller Munde oder generell Software-Architekturen, die die Kommunikation zwischen Micro-Services unterstützen. Unternehmen müssen deshalb aktuell herausfinden, wie sie einen solchen Service Mesh zur Verwaltung von Multicontainer-Umgebungen am besten nutzen können - und wie sie diese Anwendungen sowie das zunehmend komplexe Gefüge von Verbindungen und Logik überwachen. Dabei hilft eine neue Generation von Service-Providern.

Diese sind als "Born in the cloud"-Anbieter auf solche Systemumgebungen, die auch serverless sein können, spezialisiert. Im Gegensatz zu den klassischen, personenzentrierten Dienstleistern ist dieser Anbietertyp auf Software sowie den Mix aus Technologie und Fachkräften fokussiert. Die Folge: mehr Agilität, Automation und günstigere Konditionen für den Kunden.

Future Workplace & Change Management

Der schnelle Umzug von Millionen von Arbeitsplätzen ins Home-Office hat die IT-Sicherheit von Unternehmen auf eine harte Probe gestellt. Deshalb haben nun Anbieter Konjunktur, die Cyber-Security- und Workplace-Lösungen aus einer Hand anbieten. Und die Cloud-Technologien nutzen, um entweder den gesamten Desktop aus der Cloud zu managen oder SaaS-Lösungen zur Verfügung stellen. Die in der Pandemie oftmals in den Hintergrund gerückte Governance, Risk & Compliance wird dabei im neuen Jahr ein Comeback erleben.

2021 wird der Arbeitsplatz noch mehr flexibilisiert werden und aus Nutzerperspektive immer mehr "Kanäle" nutzen. Die damit einhergehende Zunahme an Smartphone- und Tablet-Aktivitäten im Arbeitsumfeld wirft mehr und mehr auch gesundheitliche Fragen auf. Diese dürfen Unternehmen nicht ignorieren. Vielmehr benötigen die Mitarbeiter zunehmend Unterstützung bei der Umsetzung des "Digital Detox"-Prinzips.

Die physische Präsenz der Mitarbeiter wurde in vielen Unternehmen zuletzt bis auf ein Minimum heruntergefahren und es ist davon auszugehen, dass diese Präsenz auch nicht ansatzweise wieder auf das alte Level zurückkehren wird. Unternehmen werden deshalb in den kommenden Jahren verstärkt auf crossfunktionale und überregionale Teams setzen. Das beinhaltet auch rechtliche Aspekte mit Blick auf Arbeitszeiten, Arbeitsorte und weitere Themen wie zum Beispiel Trainings für den Umgang mit sensiblen Daten im Home-Office.

Der digitale Arbeitsplatz muss also nicht nur technisch integrativ und robust sein - etwa durch die Integration von softwarebasierten Kollaborations-Lösungen. Er muss auch einem systematischen Change Management unterliegen, das die Mitarbeiter mit den neuen Lösungen und Prozessen vertraut macht sowie die richtige Work-Life-Balance aufsetzt beziehungsweise immer wieder neu justiert.

User Experience & Digitales Product Lifecycle Management

Die Verbesserung der Kundenzufriedenheit basiert zunehmend auf datenzentrierten Geschäftsmodellen. Daten als Entscheidungsgrundlage beziehen sich dabei auf das gesamte Portfolio und somit insbesondere auf das IT Services Lifecycle-Management. Zu diesem Zweck setzen Unternehmen mehr denn je auf einen kooperativen Design-Thinking-Ansatz, der Vertrieb, Marketing, Technologie und Architektur umfasst. Zum Einsatz kommen dabei zunehmend Technologien wie Cloud, KI, Datenanalytik und Automatisierung, um den Kunden eine voll digitale User Experience zu ermöglichen.

Aufgabe der IT ist es dabei, die verschiedenen Stakeholder, Kunden und Partner möglichst in Echtzeit und sicher zu vernetzen, um ein digitales Product oder Service Lifecycle Management zu ermöglichen. Da Cloud-native- und Digitalexperten jedoch Mangelware sind, werden Anwenderunternehmen auf absehbare Zeit weiter auf externe Unterstützung zurückgreifen müssen. Sie entdecken dabei im Cloud-Kontext auch neue Vertragsmodelle, bei denen zum Beispiel nach dem "Shared Responsibility"-Prinzip Cloud-Service-Anbieter auch für die Sicherheit der von ihnen gelieferten Services Verantwortung übernehmen.