Deutschland nimmt noch Anlauf

Schweiz und Liechtenstein geben Gas in der Blockchain

04.12.2018
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Die Schweiz hält ihre erste Blockchain-Konferenz für den öffentlichen Sektor ab. Das Land will sechs Gesetze ändern, um die Möglichkeiten der Technologie auszureizen und eine europäische Pole-Position einzunehmen. In Deutschland kommen die Dinge nur langsam in Bewegung.
Rund um die Blockchain ranken sich viele Mythen. Momentan sind Investitionen noch gewagt.
Rund um die Blockchain ranken sich viele Mythen. Momentan sind Investitionen noch gewagt.
Foto: dencg - shutterstock.com

Insgesamt 250 Teilnehmer besuchen derzeit die Konferenz "Infrachain 18" in Bern, wo Finanzminister Ueli Maurer - im Lande auch als "heimlicher Digitalminister" bezeichnet - erklärte, die Schweiz wolle Vorreiter sein, wenn es um die Entwicklung Blockchain-basierter Use Cases gehe.

Anspruch und Wirklichkeit liegen hier nicht weit auseinander: Die Alpenrepublik steht als global führender Finanzplatz im Ruf, Blockchain-Pionier zu sein. Diese Position gilt es zu verteidigen. In zwei Wochen will deshalb der Bundesrat einen Bericht herausgeben, indem verkündet werden soll, dass sechs bestehende Gesetze angepasst werden, um eine optimale, rechtskonforme Nutzung der Technologie zu gewährleisten.

Liechtenstein erlässt Blockchain-Gesetz

In Bern zeigen derzeit Unternehmen wie Ernst & Young, Tezos, Swisspower, Postfinance und andere ihre Use Cases. Ein Höhepunkt war der Eröffnungsauftritt von Adrian Hasler, Premierminister von Liechtenstein. Er stellte das neue Blockchain-Gesetz für Liechtenstein vor, das kürzlich Schlagzeilen gemacht hatte. Das Fürstentum, das ähnlich wie die Schweiz Finanzmetropole bleiben und Fintech-Unternehmen anlocken möchte, plant für 2019 das "Gesetz über auf vertrauenswürdigen Technologien (VT) beruhende Transaktionssysteme". Es wird Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICOs), aber auch die "Token-Ökonomie" insgesamt regulieren.

Im Gesetzesentwurf enthalten sind Mindestanforderungen für alle VT-Dienstleister in Liechtenstein, damit internationale Standards eingehalten werden und der Ruf der Finanzmetropole durch möglicherweise dunkle Geschäfte nicht in Gefahr gerät. Man will die Dienstleister zu einer klaren Organisationsstruktur und zu internen Kontrollmechanismen drängen.

Auch bei den Eidgenossen erwartet man eine "Explosion der Blockchain-Use-Cases", wie Maurer sagte. Um die derzeit führende Rolle zu behalten, seien rechtliche Sicherheit und eine zielführende Gesetzgebung die Voraussetzung. Die Regulierung dürfe aber nicht zu weit gehen, man wolle die Entrepreneure und Entwickler lenken und fördern, nicht "strangulieren".

Gesetzesänderungen in der Schweiz

Startups sollten ihre Ideen in der Schweiz umsetzen und internationale Talente anziehen. "Die Schweiz benötigt keine besondere Regulierung für die Blockchain", so Maurer, "aber wir werden sechs bestehende Gesetze ändern müssen, um diese neue Technologie fördern zu können. Das wird viele Industrien betreffen", sagte der Finanzminister, der die geplanten Änderungen nicht näher konkretisierte.

Aufregung im Crypto Valley

Während die Schweizer Regierung auf der Infrachain alle Register zieht, um den Blockchain-Standort gut zu repräsentieren, gibt es im eigentlichen "Crypto Valley" der Schweiz, in der Stadt Zug nämlich, große Unruhe. Vier Gründungsmitglieder des dort ansässigen Blockchain-Verbands "Crypto Valley Association" (CVA) haben in einer Erklärung auf LinkedIn ihren Rücktritt angekündigt. Zu diesem Quartett gehört auch Oliver Bussmann, der frühere CIO von SAP und der Großbank UBS. Bussmann leitet heute ein Beratungsunternehmen in Zug.