KI wird zu Commodity

Schalten wir den Weltcomputer an

Kommentar  04.12.2018
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Dr. Robert Laube ist Leiter Anwendungsentwicklung und Chief Technology & Innovation Officer bei  Avanade. Seit mehr als 20 Jahren berät er nationale und internationale Kunden im Bereich Modern Software Engineering, Analytics und Digitalisierung. Er ist Ansprechpartner zu IoT und den innovativen Möglichkeiten, die sich im Bereich Industrie 4.0 im Zusammenspiel mit Cloud bieten.
KI ist inzwischen vielmehr ein Stück weit Commodity – und damit der Schlüssel zum Internet of Intelligent Things (IoIT) und damit zum Weltcomputer.
Visionäre gesucht: Was heute noch in weiter Ferne zu sein scheint, kann schon bald Realität werden.
Visionäre gesucht: Was heute noch in weiter Ferne zu sein scheint, kann schon bald Realität werden.
Foto: sdecoret - shutterstock.com

Dass KI eben kein Zeitgeistphänomen ist, war Bestandteil meines letzten Beitrags. Heute geht es einen Schritt weiter: Denn was derzeit in der IT passiert, ist ein Umbruch, der vergleichbar ist mit dem Beginn der Industrialisierung oder dem Siegeszug des Internets – nur eben nochmal eine Größenordnung schneller. Gerade die Entwicklung rund um das World Wide Web in den 1990er-Jahren weist eine gewisse direkte Analogie auf: Die Möglichkeiten überholen die Unternehmen und die Menschen. Das Dilemma dabei ist, dass Tatenlosigkeit keine Option ist, dass aber andererseits das Fällen von Entscheidungen oft schwer fällt. Es fehlt schlicht an der soliden Basis – die Anzahl der Unbekannten und die Geschwindigkeit der Ausbreitung neuer technologischer Möglichkeiten sind so hoch wie wohl noch nie zuvor in der Geschichte der modernen Wirtschaft.

Ein Gedankenspiel soll das verdeutlichen: Wer als Mensch 30 normale, gleich große Schritte macht, legt eine Strecke von ca. 30 Metern zurück; wer die Schrittlänge nach jedem einzelnen Schritt verdoppelt, hat nach 30 Schritten annähernd 30mal den Erdball umrundet! Das Konstrukt basiert natürlich auf der Legende um die Erfindung des Schachspiels – und diese zeigt eben, wie schwer es dem menschlichen Geist fällt, die Auswirkungen von Exponentialfunktionen zu fassen. Die Erfindung der Mathematik ist ein Hilfsvehikel, aber die wirkliche Bedeutung vorzustellen, vermag uns kaum zu gelingen. Die große Frage: Können siebeneinhalb Milliarden Menschen, die die Exponentialfunktionen nicht wirklich begreifen, mit einer sich exponentiell verändernden Welt umgehen oder nicht?

Vom Schach über IoT zum IoIT

Zurück zur IT. Mit der Verbreitung der Möglichkeiten von Smartphones, Cloud, AI & Co. sind wir ja in einer solchen Innovations-Exponentialkurve, vermutlich an deren Knie. Der Anstieg ist derzeit erstaunlich steil. Man denke nur an Software, die sich in wenigen Tagen beibringt, besser „Go“ zu spielen als alle anderen Spieler zuvor – inklusive ihrer eigenen Vorgänger-Software. Forscher von der University of Columbia haben in einem Arbeitspapier neuronale Netze beschrieben, die letztlich Software ermöglichen, die sich selbst verbessert und optimiert. Eine weitere Frage sei erlaubt: Haben Sie bereits einen Business Plan oder eine Idee, wie solche Fähigkeiten in Ihrem Unternehmen nutzbar zu verwerten sind?

Nun der Schwenk zum Internet der Dinge: Beim IoT gab und gibt es viele Proof of Concepts sowie Tests, doch „die Killerapplikation“ haben viele für sich noch nicht gefunden. Mit weiter steigender Rechenleistung der Chips und der zunehmenden Verbreitung von AI sind nun jedoch Anwendungsszenarien möglich, die noch vor 24 Monaten in weiter Ferne lagen. Denn der entscheidende Unterschied zu damals ist: Aus dem IoT ist inwischen ein IoIT geworden, ein Internet of Intelligent Things. Denn während das „alte“ Paradigma sich auf schlichte Sensoren, die Übermittlung von Daten und deren Prozessierung in der Cloud bezieht, bedeutet IoIT, dass die Intelligenz in die Ränder wandert: Edge Computing wird schon seit einiger Zeit propagiert, war aber bisher doch nur eine Verlagerung der tatsächlichen Rechenleistung weg von den zentralen (Cloud-) Rechenzentren. Nun, da Komponenten auch wirkliche Intelligenz enthalten können, werden sie zum Treiber und essentiellen Bestandteil der Dezentralisierung. Exponentielle Entwicklungen, Sie erinnern sich…