Plattner will Ala-Pietilä statt Renjen

SAP wechselt Kandidaten für Aufsichtsratsvorsitz aus

12.02.2024
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Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.
Im Aufsichtsrat von SAP rumort es. Weil man sich über die Rolle nicht einig war, schmiss der als Plattner-Nachfolger vorgesehene Punit Renjen das Handtuch.
Der Abgang Hasso Plattners als Vorsitzender des SAP-Aufsichtsrats verläuft nicht gerade ruhig.
Der Abgang Hasso Plattners als Vorsitzender des SAP-Aufsichtsrats verläuft nicht gerade ruhig.
Foto: SAP

Der Wachwechsel an der Spitze des Aufsichtsrats von SAP verläuft alles andere als reibungslos. Überraschend hat der deutsche Softwarekonzern bekannt gegeben, dass der eigentlich für den Vorsitz des Aufsichtsrats vorgesehene Punit Renjen nicht mehr für das Amt zur Verfügung stehe. Man habe im gegenseitigen Einvernehmen entschieden, getrennte Wege zu gehen, hieß es in einer Mitteilung SAPs. Als Grund für die plötzliche Trennung wurden unterschiedliche Vorstellungen über die Rolle als künftiger Aufsichtsratsvorsitzender genannt. Renjen werde auch sein Mandat im SAP-Aufsichtsrat, das er erst im Mai vergangenen Jahres angetreten hatte, zur Hauptversammlung des Konzerns am 15. Mai 2024 niederlegen.

Als Ersatz für Renjen hat der SAP-Aufsichtsrat Pekka Ala-Pietilä zur Wahl als neues Aufsichtsratsmitglied nominiert und als designierten Nachfolger des derzeit noch amtierenden Vorsitzenden, Hasso Plattner, ausgerufen. Ala-Pietilä soll bei der nächsten Hauptversammlung für eine zweijährige Amtszeit zur Wahl vorgeschlagen werden und, sofern er gewählt wird, auch die Rolle als künftiger Vorsitzender des Aufsichtsrats übernehmen.

Pekka Ala Pietilä soll es nach dem überraschenden Bruch mit Punit Renjen nun als neuer kommender Aufsichtsratsvorsitzender richten.
Pekka Ala Pietilä soll es nach dem überraschenden Bruch mit Punit Renjen nun als neuer kommender Aufsichtsratsvorsitzender richten.
Foto: Pekka Ala-Pietilä / SANOMA Kuva: Heidi Piiroinen

Mit dem 67-jährigen Ala-Pietilä glaubt SAP den richtigen Mann für den Aufsichtsratsvorsitz gefunden zu haben. Der Finne sei "hervorragend aufgestellt, um die weitere erfolgreiche Transformation der SAP zu unterstützen", hieß es. Ala-Pietilä war von 1999 bis 2005 Präsident der Nokia Corporation und bereits zwischen 2002 und 2021 Mitglied im SAP-Aufsichtsrat. Darüber hinaus fungierte der Manager von 2018 bis 2020 als Vorsitzender der hochrangigen Expertengruppe für Künstliche Intelligenz der EU-Kommission.

Hasso Plattner macht den Weg frei: SAP steht vor einer Zeitenwende

"Mit Pekka Ala-Pietilä haben wir eine Führungspersönlichkeit gefunden, die nicht nur ein tiefgreifendes Verständnis unserer Branche und der Komplexität der europäischen SE-Governance mitbringt, sondern auch ein wichtiger Verbündeter in vielen entscheidenden Momenten der SAP war", sagte SAP-Mitbegründer Plattner, der seit 2003 Vorsitzender des Aufsichtsrats ist. "Mit der Wahl von Pekka Ala-Pietilä bin ich zuversichtlich, dass der Aufsichtsrat der SAP in den besten Händen ist. Seine Vision und seine bedächtige Vorgehensweise sind genau das, was die SAP braucht, um sicher und auch weiterhin erfolgreich in die Zukunft zu blicken."

Holpriger Abgang von Hasso Plattner

Ähnliches war allerdings auch vor einem Jahr zu hören, als SAP Renjen als neuen Mann für die Spitze des Aufsichtsrats präsentierte. Plattners Abschied von der großen SAP-Bühne gerät holprig. Der in Berlin geborene Manager, der am 21. Januar 2024 seinen 80. Geburtstag feierte, hatte SAP gemeinsam mit seinen Kollegen Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira und Dietmar Hopp 1972 gegründet. Er ist seit zwei Jahrzehnten Vorsitzender des SAP-Aufsichtsrats, was in den vergangenen Jahren auch immer wieder Anlass zu Kritik bot. Für die graue Eminenz, die immer noch im Hintergrund an den entscheidenden Fäden für die SAP-Strategie zog, schienen die internen Regeln nicht zu gelten. Eigentlich sollte die Amtszeit des Aufsichtsratsvorsitzenden bei SAP auf 12 Jahre begrenzt sein. Außerdem sollte die Person, die diesen Posten innehat, nicht älter als 75 Jahre sein.

Die Suche nach einem Nachfolger habe sich schwierig gestaltet, begründete Plattner vor einem Jahr gegenüber dem Handelsblatt sein Festhalten am SAP-Amt. Zunächst habe man einen internen Kandidaten berufen wollen, doch dieser Plan habe sich zerschlagen, sagte der SAP-Gründer dem Blatt. Auch die Suche unter ehemaligen SAP-Topmanagern habe nicht geklappt. Dann präsentierte man nach langer Suche endlich mit dem ehemaligen Deloitte-CEO Renjen endlich einen geeigneten Kandidaten für die Plattner-Nachfolge.

SAP braucht eigentlich Ruhepol im Aufsichtsrat

Doch damit hatte man in Walldorf offenbar kein glückliches Händchen, wie die neuerliche Volte nun belegt. Von einem strukturierten Übergang an der Spitze des Aufsichtsrats, von dem Plattner anlässlich der Nominierung Renjens vor einem Jahr sprach, um die notwendige Kontinuität für das weitere Wachstum unseres Unternehmens zu sichern, kann jedenfalls keine Rede sein. Dabei bräuchte der deutsche Softwarekonzern gerade jetzt im Aufsichtsrat einen Ruhepol. SAP durchlaufe den grundlegendsten strategischen Wandel seiner Geschichte, hieß es zuletzt immer wieder aus den Reihen des Managements.

Eigentlich sollte Punit Renjen als neuer Aufsichtsratsvorsitzender für einen strukturierten Übergang und Kontinuität sorgen - doch daraus wurde nichts.
Eigentlich sollte Punit Renjen als neuer Aufsichtsratsvorsitzender für einen strukturierten Übergang und Kontinuität sorgen - doch daraus wurde nichts.
Foto: Deloitte

Auf Ala-Pietilä wird es nun ankommen, dafür zu sorgen, dass wieder Ruhe im Aufsichtsrat der SAP einkehrt, und die Zeitenwende mit Plattners Abgang möglichst ohne weitere Verwerfungen über die Bühne geht. Zunächst bedankte sich der Finne artig beim Aufsichtsrat der SAP und Plattner, ihn mit der Aufgabe zu betrauen, "dieses dynamische europäische Technologie-Unternehmen erneut während so einer entscheidenden Zeit zu begleiten".

50 Jahre SAP: Der Softwarekonzern steht am Scheideweg

SAP setze seit über 50 Jahren den globalen Standard im Bereich Unternehmenstechnologie und sei auch jetzt ein Vorreiter, wenn es darum gehe, relevante, zuverlässige und verantwortungsvolle KI-Lösungen für Unternehmen zu entwickeln und so grundlegend die Art und Weise von Geschäftsabläufen zu ändern. "Ich freue mich darauf, mit alten und neuen Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten und so die Erfolgsgeschichte der SAP - revolutionäre Technologie, die reale Ergebnisse liefert - weiterzuschreiben."