Managed Services in der Zukunft

Offener Prozess statt starres Korsett

24.02.2020
Von 
Florian Stocker ist Journalist in München.
Managed-Services-Umgebungen sollen die Unternehmens-IT langfristig zum "Profit Center" machen. Gleichzeitig steigt aber auch die Komplexität der Infrastruktur. Aus diesem Grund werden Service-Provider zu unverzichtbaren Partnern.

Kaufen oder selber machen? Aus Sicht der Branchenexperten des COMPUTERWOCHE-Round-Tables zu diesem Thema ist die Frage längst beantwortet. In Zeiten von Cloud und DevOps geht es vielmehr darum, als Unternehmen den richtigen Zeitpunkt und die richtige Geschwindigkeit zu finden, um externe Dienste nachhaltig in die eigene Wertschöpfungskette zu integrieren.

Round-Table-Teilnehmer Managed Services
Round-Table-Teilnehmer Managed Services
Foto: Michaela Handrek-Rehle

Berater und Service-Provider müssen ihrerseits auf diese neue Situation reagieren: Die Zusammenarbeit wird partnerschaftlicher und langlebiger, klassisches Projektgeschäft schwindet zugunsten von Orchestrierung und Change-Management. Was das für ein klassisches Systemhaus bedeutet, weiß Rosemarie Gross vom Cloud-Services-Spezialisten Advanced Unibyte:

"Vom klassischen Systemhausgeschäft kommend, merken wir seit einigen Jahren zunehmend die Notwendigkeit, uns wegen der steigenden Nachfrage in Richtung Cloud und Managed Services weiterentwickeln zu müssen. Doch Sie können diese Transformation nicht vollziehen, wenn Sie gleichzeitig das bewährte Projektgeschäft unverändert weiterlaufen lassen. Unser Ziel war es von Anfang an, uns dieses neue Feld gemeinsam mit unseren bestehenden Kunden zu erschließen und die Transformation zusammen anzugehen."

Informationen zu den Partner-Paketen der Studie Managed Services

Überraschung: Transformation heißt Veränderung

Transformation heißt Veränderung. Doch diese simple Erkenntnis ist in den Führungsebenen deutscher Unternehmen längst nicht überall verinnerlicht. Zwar wird die digitale Transformation gerne und schnell ausgerufen, viel wichtiger ist es aber, die entsprechende Mentalität in den Köpfen der gesamten Organisation zu verankern.

Das geht nicht von heute auf morgen, das geht nicht in unveränderten Strukturen, und das geht vor allem nicht scheibchenweise. Die gerne von oben per Dekret geforderte Verlagerung von Legacy-Architekturen in die Cloud ist ein Paradebeispiel dafür. Ein "Lift and Shift" reicht nämlich in den seltensten Fällen aus, um eine wirkliche Transformation zu erreichen. Häufig hat eine Cloud-Migration sogar den gegenteiligen Effekt: Ohne entsprechende organisatorische Maßnahmen sorgt die neue Technologie für eine Verkomplizierung der IT-Prozesse und verursacht dadurch Mehrkosten. Infrastrukturen müssen also sorgfältig geplant sein und sollten zur Gesamtstrategie passen.

Die Service-Provider müssen darauf mit dem richtigen Angebot reagieren, wie Mathias Szymansky von CEMA berichten kann: "Mit Blick auf Managed Services beobachten wir einen zunehmenden Trend zur Modularität. Die große Frage nach der Cloud ist geklärt, jetzt geht es darum, wann man welche Services auslagert - oder eben nicht. Wichtig dabei: Für den Kunden muss der Business Case passen."

Infrastrukturen folgen dem Reifegrad

Gefragt sind also Ansätze, die die technische Komplexität unter Kontrolle halten, um zum Beispiel einen Cloud-Native-Ansatz in der Mitte des Unternehmens zu verankern. Gleichzeitig ist es aber wichtig, Modelle umzusetzen, die zu den Prozessen und vor allem zum Reifegrad eines Unternehmens passen. Gerade im Mittelstand drohen sonst die erwähnten Ineffizienzen und Mehrkosten. Managed Services und den Service-Providern kommt hier eine Schlüsselrolle zu. Sie sind es, die die nicht standardisierbaren Anforderungen in ein "passendes" SLA gießen müssen, das klares Commitment und "atmendes" Rahmenwerk gleichermaßen ist.

Beim Thema Managed Services kommt die Individualität mittlerweile vor der Standardisierung, wie Olaf Schwalm von Neos IT feststellt: "Managed Services sollten nie als starres Korsett verstanden werden. Sie brauchen immer Raum für Flexibilität, um sich dem Reifegrad der Digitalisierung anzupassen. Von der IT werden unterschiedliche Enabler für die digitale Transformation benötigt, und man sollte immer darauf achten, dass das Geschäftswissen im Unternehmen verbleibt. Nur dann können die nötige Nachhaltigkeit bei der Umsetzung digitaler Ziele und die Differenzierung auf dem Markt erreicht werden."

Studie "Managed Services": Partner gesucht

Zum Thema Managed Services führt die COMPUTERWOCHE derzeit eine Multiclient-Studie unter IT-Entscheidern durch. Haben Sie Fragen zu dieser Studie oder wollen Sie Partner werden, dann hilft Ihnen Frau Regina Hermann (rhermann@idgbusiness.de, Telefon: 089 36086 384 ) gerne weiter. Informationen zur Managed-Services-Studie finden Sie auch hier zum Download (PDF).

Orchestrieren statt verwalten

Geht es nach den Branchenexperten, ist das Bewahren von Know-how im Unternehmen bei gleichzeitig sinnvoller Anbindung externer Dienste die zentrale Aufgabe, vor der die Unternehmen in Zukunft stehen. Kein Service-Provider und kein Beratungsunternehmen könne demnach alle angedockten Services angemessen orchestrieren und im Business-Alltag mit den Geschäftszielen in Einklang bringen.

"Managed Services sind die Basis der digitalen Transformation", betont Markus Merk von Rödl & Partner. "Heute werden nicht mehr die kleinteiligen Outsourcing-Diskussionen von früher geführt, sondern es wird in Services gedacht. Der Scope ist viel breiter geworden, und damit ist auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gestiegen. IT ist kein Cost Center mehr, sondern entwickelt sich zum Profit Center."

Diese Neudefinition führt auch zu einer veränderten Erwartungshaltung. CIOs sehen Managed-Services-Umgebungen als lebendige, sich ständig verändernde Organismen, und ein Dienstleister wird daran gemessen, ob es ihm gelingt, diesen Organismus in die richtige Richtung weiterzuentwickeln.

Qualität schlägt Preis

Für Ralf Wieland von Trivadis erwächst daraus die zwingende Verantwortung, die Zusammenarbeit ständig zu verändern und proaktiv Impulse zu liefern: "Wenn sich eine Strategie innerhalb von zwei Jahren nie ändert, dann ist es die falsche Strategie. Der Managed-Services-Ansatz ist heute immer weniger Verwaltung des Status quo und immer mehr die Generierung von Mehrwert, Stichwort ,From Data to Value'. Wenn das gelingt, ist auch jeder Kunde bereit, jenseits des vereinbarten SLA zusammenzuarbeiten. Der Preis ist vergessen, wenn die Qualität die Erwartungen übertrifft."

Und Bernd Schweitzer von SoftwareOne ergänzt: "SLAs müssen von uns als Dienstleister aktiv gelebt und immer wieder hinterfragt und angepasst werden. Wenn wir proaktiv an der Verbesserung von Prozessen arbeiten und keine Services von der Stange bieten, kann eine langfristige Transformation gelingen."

Informationen zu den Partner-Paketen der Studie Managed Services