IDC-Studie

Mit SDN-Netzen die digitale Transformation meistern

07.04.2021
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Cloud, IoT, Digitalisierung, Homeoffice, steigende Ransomware-Attacken – viele Enterprise Networks in Deutschland sind den aktuellen Herausforderungen nicht mehr gewachsen. Eine aktuelle IDC-Studie untersucht, wie die Unternehmen die Netztransformation angehen.
Netzwerke - reiner Kostenfaktor oder Transformationswerkzeug? Deutsche Unternehmen sind bei dieser Frage gespalten.
Netzwerke - reiner Kostenfaktor oder Transformationswerkzeug? Deutsche Unternehmen sind bei dieser Frage gespalten.
Foto: MikeDotta - shutterstock.com

Durch die deutschen Unternehmen geht ein Riss, was die Bedeutung der Corporate Networks anbetrifft: Während knapp die Hälfte der Firmen das eigene Netzwerk als reine Kostenstelle sieht und seine Funktionalität lediglich auf die reine Konnektivität reduziert, schreiben ihm die anderen 50 Prozent der Unternehmen einen transformierenden Charakter zu. Sie betrachten ihr Netz als elementare Plattform für das Alltagsgeschäft, als Innovations- und Business-Enabler.

Zu diesem Ergebnis kommt die IDC-Studie "Network Transformation in Deutschland 2021". Hierfür befragten die IDC-Marktforscher im Februar 158 deutsche Unternehmen mit mehr als 250 mitarbeitern und mindestens fünf WAN-Verbindungen und kritischen Verbindungen in Public Clouds. Angesichts des Befragungszeitraums verwundert es nicht weiter, dass die Corona-Pandemie aktuell die Entscheidungen und Aktivität der Unternehmen dominiert.

Auf der anderen Seite erhöhen Digitalisierungstrends wie IoT, Edge Computing oder Multi-Cloud sowie der Wunsch nach modernen Geschäftsmodellen den Modernisierungsdruck. Zumal viele Netze, deren Architekturen und deren Management häufig weder den aktuellen noch den künftigen Anforderungen gewachsen sind.

Software Defined Networks und 5G gehören zu den Topthemen, die bei den Unternehmen in den nächsten zwei Jahren auf der Modernisierungsagenda stehen.
Software Defined Networks und 5G gehören zu den Topthemen, die bei den Unternehmen in den nächsten zwei Jahren auf der Modernisierungsagenda stehen.
Foto: IDC

"Netzwerke in bedenklichem Zustand"

Allerdings hat die Pandemie vielen Unternehmen gerade gezeigt, welche Relevanz die Netze für das Business haben. Hier sei nur an das Stichwort Homeoffice gedacht, dessen verstärkte Nutzung vielen Unternehmen schonungslos die Schwächen ihrer IT-Infrastruktur offenbarte. Zumal 41 Prozent zur Bewältigung der Corona-Folgen ihre On-Premises Business-Applikationen durch Cloud-Applikationen ersetzten und 30 Prozent ihre eigenen Applikationen und Workloads auf IaaS-Umgebungen verlagerten. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung aktualisierte im letzten Jahr bereits ein Drittel der Studienteilnehmer seine Netzinfrastruktur. Bei einem Viertel steht es dieses Jahr auf der Agenda.

"Dennoch sind Netzwerke, Netzwerkarchitekturen und das Netzwerkmanagement in deutschen Unternehmen in einem bedenklichen Zustand und vielerorts weder den aktuellen noch den zukünftigen Anforderungen an Netzwerk-Performance und -funktionalität gewachsen, denken wir etwa an IoT, Edge Computing oder Big Data", kommentiert Marco Becker, Senior Consultant und Projektleiter bei IDC, die Studienergebnisse. "Veraltete Hardware, nicht mehr zeitgemäße Architekturen, intransparente Netzwerke und mangelnde Managementfunktionen sind die Bottlenecks in vielen Organisationen - auch in puncto Security."

Treiber der Netzmodernisierung sind Sicherheit sowie Netzmanagement und -Automtisierung.
Treiber der Netzmodernisierung sind Sicherheit sowie Netzmanagement und -Automtisierung.
Foto: IDC

Herausforderung Security

Das Thema Sicherheit zählt denn auch für 36 Prozent der Befragten zu den Top-5-Herausforderungen beim Netzbetrieb, gefolgt von Compliance-Aspekten (29 Prozent). Dementsprechend ist die Security auch der größte Treiber, um die Netze zu modernisieren. Weitere Treiber sind Netzmodernisierung und -automatisierung. Hier scheint sich langsam die Erkenntnis durchzusetzen, dass die schiere Menge an Daten und Devices, die der steigende Einsatz von IoT oder Mobile Devices mit sich bringt, nicht mehr manuell zu managen ist. Zumal das manuelle Netzmanagement in Zeiten von immer ausgebuffteren Cyberkriminellen ein Sicherheitsrisiko darstellt. Zumal, wie eingangs dargestellt, hierzulande noch immer mehr als die Hälfte der Netze nach dem Best-Effort-Prinzip betrieben werden.

Die Tage der Best-Effort- und Connectivity-Driven-Netze sind gezählt.
Die Tage der Best-Effort- und Connectivity-Driven-Netze sind gezählt.
Foto: IDC

Dementsprechend zählen Software Defined Networks (SDN), Network Function Virtualization (NFV), 5G und WiFi 6 zu den Top-10-Themen, die für die nächsten zwei Jahre auf der Modernisierungsagenda der Unternehmen stehen. Je nach Netzwerkbereich gibt erst zirka ein Fünftel der Befragten an, in ihrem Unternehmen umfassend SDN umgesetzt zu haben. Kostenoptimierungen (28 Prozent), der bessere Anwendungsbetrieb (27 Prozent) sowie Verbesserungen für Sicherheit und Compliance (25 Prozent) wurden dabei als Hauptgründe genannt. Ein einfacheres und automatisiertes Netzwerkmanagement ist ferner für viele Unternehmen (24 Prozent) ein weiterer Grund für einen SDN-Ansatz, der neue Managementfunktionen bietet und mehr Transparenz und einen besseren Überblick über das Netzwerk und dessen Performance schafft.

Allerdings ist ein SDN-Netz für zahlreiche Unternehmen nur ein erster Schritt auf dem Weg zu smarteren Netzwerk-Architekturen. 36 Prozent gaben zu Protokoll, dass sie in den nächsten zwei Jahren Service-Driven- und Intend-Based-Netze einrichten wollen.