Ein Überblick über KI

Es gibt nicht die eine künstliche Intelligenz

04.12.2018
Von Volker  Gruhn und Thomas Franz
Künstliche Intelligenz (KI) beherrscht auf wissenschaftlicher, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene viele Diskussionen. Häufig entsteht dabei der Eindruck, dass sich dahinter eine homogene Technologie verbirgt - "die" KI eben. Die gibt es aber gar nicht.
  • Hinter der KI steckt eine Vielzahl verschiedener Methoden, Verfahren und Technologien
  • Starke KI ist ein Gedankenspiel von Theoretikern. Sie liegt außerhalb der technischen Möglichkeiten.
  • Symbolisch oder sub-symbolisch: Die Wahl des falschen Systems kann sich nachteilig auf die Compliance auswirken
Können IT-Systeme menschliche Intelligenz nachahmen? Unsere Autoren sagen: "Das liegt außerhalb der aktuellen technischen Möglichkeiten".
Können IT-Systeme menschliche Intelligenz nachahmen? Unsere Autoren sagen: "Das liegt außerhalb der aktuellen technischen Möglichkeiten".
Foto: Peshkova - shutterstock.com

Von Alexa bis zum autonomen Fahren, von Algorithmen bis zu Allmachtsfantasien - das Spektrum der Themen, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) in Verbindung gebracht werden, ist breit. Experten und auch Laien führen unter dem Stichwort KI ganz unterschiedliche Verfahren und Konzepte ins Feld. Tatsächlich bringt jeder Ansatz andere Möglichkeiten mit sich und eignet sich für spezielle Einsatzszenarien in Unternehmen.

Generell ist KI ein Teilgebiet der Informatik und beschäftigt sich mit der Abbildung "intelligenten" Verhaltens durch IT. Lange hat KI nicht den Sprung aus den Universitäten in die Unternehmen geschafft. Viele Erwartungen der frühen Jahre konnte die Technologie nicht erfüllen. Jetzt aber wendet sich das Blatt: Immer wieder berichten Medien über Durchbrüche, neue Einsatzgebiete und auch über neue Gefahrenpotenziale.

Drei Faktoren sind für den Siegeszug von KI verantwortlich: mehr Daten, billigere Speicherkapazitäten und eine ständig höhere Rechenleistung (beispielsweise durch NVIDIA-Grafikkarten-Farmen). Sie ermöglichen es Unternehmen, KI-Verfahren in immer komplexeren Konfigurationen einzusetzen.

Experten unterscheiden zwischen "starker KI", deren Ziel es ist, menschliche Intelligenz nachzuahmen, und "schwacher KI", die genutzt wird, um intelligente Entscheidungen für spezielle Teilbereiche zu treffen, etwa für die Automatisierung von Prozessen. Starke KI liegt außerhalb der aktuellen technischen Möglichkeiten.

Ungelöste fundamentale Probleme sorgen dafür, dass sie auf absehbare Zeit ein Gedankenspiel der Theoretiker bleibt - auch wenn die Berichterstattung teilweise anderes suggeriert. Schwache KI hingegen ist ein Ansatz, der heutzutage in vielen Anwendungen eine Rolle spielt. Im Folgenden wollen wir daher nur auf Aspekte der schwachen KI eingehen.

Kern eines KI-Systems ist ein Modell

Künstliche Intelligenz umfasst ein umfangreiches Set an Methoden, Verfahren und Technologien. Kern eines KI-Systems ist ein sogenanntes Modell, das für eine bestimmte Fragestellung modelliert ist - zum Beispiel um bei bestimmten Entscheidungen zu unterstützen oder Vorhersagen zu treffen.

Es gibt sowohl viele verschiedene Arten von Modellen als auch unterschiedliche Techniken dafür, Modelle zu erstellen. Welche zum Einsatz kommen, lässt sich am leichtesten anhand von konkreten Anwendungsfällen, sogenannten Use Cases, erläutern. Dazu später mehr.