Google, Microsoft, Apple

Die Traumarbeitgeber der Informatikstudenten 2019

07.05.2019
Von 
Alexandra Mesmer war bis Juli 2021 Redakteurin der Computerwoche, danach wechselte sie zu dem IT-Dienstleister MaibornWolff, wo sie derzeit als Head of Communications arbeitet.
Für Informatikstudenten und -absolventen bleibt Google der Wunscharbeitgeber, gefolgt von Microsoft und Apple. Auch deutsche Autobauer spielen im Trendence-Absolventenbarometer vorne mit. Vor allem die Premium-Marken behaupten sich im vorderen Feld.

Seit 19 Jahren befragen die Berliner Markt­forscher des Trendence Instituts IT-Studenten und Absolventen nach ihren Traumarbeitgebern. In den ersten Jahren führte Siemens unangefochten das Ranking an, damals wollte jeder vierte IT-Student im Münchner Konzern arbeiten. Seit 2008 hat sich dann aber Google auf dem ersten Platz festgesetzt. In ­diesem Jahr sahen 25 Prozent der befragten 6500 Informatiker in dem Internet-Konzern ihren Wunscharbeitgeber.

Starke Marken ziehen IT-Nachwuchs an

Eine führende Marktposition, starke Marken und ansprechende Produkte - erfüllen Unternehmen eines oder mehrere dieser Kriterien, sind sie in den Augen des IT-Nachwuchses als Arbeitgeber erste Wahl. Darum folgen IT-Hersteller wie Microsoft oder Apple auf den Plätzen zwei und drei des Rankings. Deutsche Autohersteller wie BMW, Daimler oder Audi sind ebenfalls weiter in den Top Ten vertreten. Allerdings ist spürbar, dass sie im Zuge der Abgasaffäre an Attraktivität verloren haben.

Volkswagen ist mittlerweile auf Platz 19 abgerutscht, BMW ist zwar immer noch der beliebteste Automobilhersteller für deutsche IT-Studenten, hat aber an Renommee verloren - nicht nur bei den Informatikern, auch bei den Wirtschaftswissenschaftlern und Ingenieuren, in deren Ranking der Münchner Autobauer den ersten Rang abgeben musste. Ursache hierfür ist laut Robindro Ullah, Geschäftsführer des Trendence Instituts, nicht nur der Dieselskandal: "In diesem Jahr liegt BMW auf dem Niveau von 2014, weil sie sich im Recruiting stärker ­fokussieren. Statt der breiten Studentenschaft möchte BMW vor allem High Potentials von sich überzeugen."

Daimler gewinnt durch Hackathons

Ein Autohersteller, der entgegen dem Trend stetig in der Gunst der Informatiker steigt, ist Daimler. "Seit 2013 hat sich die Zahl der potenziellen Bewerber von Daimler vervierzehnfacht. Die Stuttgarter rücken damit direkt an BMW heran. Hin­ter diesem Erfolg steckt viel Arbeit im HR-Marketing und Recruiting", glaubt Trendence-Chef Ullah.

Daimler richtet schon seit Jahren das Recruiting explizit auch auf Informatiker aus, etwa mit den ­weltweiten Hackathons.
Daimler richtet schon seit Jahren das Recruiting explizit auch auf Informatiker aus, etwa mit den ­weltweiten Hackathons.
Foto: Daimler

In der Tat richten die Schwaben schon seit Jahren ihr Recruiting explizit auch auf Informatiker aus, etwa mit ihren ­weltweiten Hackathons. "Das ist ein tolles Format, um Daimler mit jungen Talenten zusammenzubringen, die gerne coden und einen frischen Blick auf das Thema Mobilität mitbringen", sagt Markus Hägele, Head of Digital-Life@Daimler. Durch diese Veranstaltungen, die bislang über 500 Teilnehmer auf drei Kontinenten besuchten, bringt sich Daimler als potenzieller Arbeitgeber ins Spiel, will aber auch von den generierten Ideen partizipieren, so ­Hägele weiter: "Wir lernen von den jungen Professionals, worauf es ihnen bei der Mobilität der Zukunft ankommt, und profitieren von ihrem instinktiven, sicheren Umgang mit digitalen Technologien."

Beratungen adressieren verstärkt Informatiker

Auch wenn IT-Hersteller und IT-Dienstleister die beliebtesten Arbeitgeber für Informatiker bleiben, rücken andere Branchen, etwa Unternehmensberatungen, zunehmend in den Fokus des IT-Nachwuchses. 2017 hatten 5,7 Prozent der ITler eine klare Präferenz für die Beratungen, 2019 sind es bereits acht Prozent. Allen voran ist Capgemini der Gewinner des Jahres mit einem Sprung von Rang 37 auf 21. Zuletzt war das Unternehmen 2009 so gut platziert. Auch McKinsey (von Platz 34 auf 27) und Boston Consulting Group (BCG, von Platz 43 auf 39) gewinnen aus Sicht der Informatiker.

"Die Digitalisierung ist aktuell das Thema in jedem Unternehmen", erläutert Ullah, "für die klassischen Unternehmens­beratungen ist es ein wichtiger Erfolgsfaktor, ihre Kunden darin optimal zu beraten. Deshalb suchen sie heute viel stärker IT-Nachwuchs als noch vor einigen Jahren. Sie werben intensiv für sich und ihre Jobs." Die Unter­nehmensberatungen investierten dabei nicht unbedingt mehr ins Recruiting, sondern sie verteilten ihre Budgets um, beobachtet der Trendence-Chef: "Die Beratungen fokussieren sich stärker auf Informatiker, nicht mehr so stark auf Wirtschaftswissenschaftler. Das sehen wir ganz klar im Arbeitgeber-Ranking: Während die Beratungsbranche bei Informatikern noch nie so beliebt war wie heute, verliert sie in diesem Jahr in der Gunst der Wirtschaftswissenschaftler."

Öffentlicher Dienst als attraktiver Arbeitgeber

Eine feste Größe im Ranking der beliebtesten IT-Arbeitgeber sind Behörden und Einrichtungen des öffentlichen Dienstes. Robindro Ullah nennt unterschiedliche Motive, warum sich ­Informatiker für Arbeitgeber aus diesem Umfeld entscheiden: "Der Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sind wegen der Job­sicherheit, die sie bieten, sehr attraktiv. An Forschungseinrichtungen wie der Fraun­hofer-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft schätzen die Informatiker vor allem Nachhaltigkeit und Verantwortung. Das Deutsche Zen­trum für Luft- und Raumfahrt oder die European Space Agency überzeugen in erster Linie mit ihrer Innovationsstärke."

Robindro Ullah, Trendence: "Der Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sind wegen der Job­sicherheit, die sie bieten, sehr attraktiv."
Robindro Ullah, Trendence: "Der Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sind wegen der Job­sicherheit, die sie bieten, sehr attraktiv."
Foto: Trendence

Die Bundeswehr hingegen verlor im Vergleich zum Vorjahr deutlich an Stimmen. Sie hatte auf der Kölner Messe Gamescom einen Shitstorm provoziert, indem sie mit hippen Werbeslogans wie "Multiplayer at its best" oder "Mehr open World geht nicht" Gamer anlocken wollte, dabei aber aus Sicht vieler Be­sucher den militärischen Zweck verharmloste. Attraktiv bleiben indes die Spielehersteller: Blizzard (Platz 9) und ­Crytek (Platz 21) vergeben nicht viele Jobs, sind aber dennoch Top­adressen.