Windows Admin Center

Das kann Microsofts Verwaltungstool

20.10.2020
Von  und
Frank-Michael Schlede arbeitet seit den achtziger Jahren in der IT und ist seit 1990 als Trainer und Fachjournalist tätig. Nach unterschiedlichen Tätigkeiten als Redakteur und Chefredakteur in verschiedenen Verlagen arbeitet er seit Ende 2009 als freier IT-Journalist für verschiedene Online- und Print-Publikationen. Er lebt und arbeitet in Pfaffenhofen an der Ilm.
Thomas Bär, der seit Ende der neunziger Jahre in der IT tätig ist, bringt weit reichende Erfahrungen bei der Einführung und Umsetzung von IT-Prozessen im Gesundheitswesen mit. Dieses in der Praxis gewonnene Wissen hat er seit Anfang 2000 in zahlreichen Publikationen als Fachjournalist in einer großen Zahl von Artikeln umgesetzt. Er lebt und arbeitet in Günzburg.
Mit Windows Admin Center bietet Microsoft ein mächtiges Werkzeug für die Verwaltung von Windows-Systemen. Lesen Sie, was das Tool kann und welche Vorteile es bringt.
Windows Admin Center ist ein umfassendes Tool zur Verwaltung von Windows-Betriebssystemen. Lesen Sie, was Microsofts Verwaltungswerkzeug kann.
Windows Admin Center ist ein umfassendes Tool zur Verwaltung von Windows-Betriebssystemen. Lesen Sie, was Microsofts Verwaltungswerkzeug kann.
Foto: 4 PM production - shutterstock.com

Das Angebot an Verwaltungswerkzeugen, mit denen Administratoren ihre Windows-Client- und -Server-Systeme verwalten können ist groß und nahezu unüberschaubar geworden. Die Spanne reicht von kostenlosen Freeware- und Open-Source-Tools bis hin zu hochpreisigen Enterprise-Lösungen der Hard- und Softwareanbieter.

Die Windows-Server-Systeme werden schon lange mit dem Server-Manager ausgeliefert, dessen Schwerpunkt aber eher darauf liegt, Windows-Server grundsätzlich zu konfigurieren. Zwar ist auch möglich, mit Hilfe diese Software mehrere Server über das Netz zu verwalten, insgesamt greifen die Systemprofis dann aber doch lieber auf Werkzeuge aus der Microsoft System Center Suite zurück.

Wer allerdings einen Windows Server beispielsweise in der Ausprägung 2016 oder 2019 neu installiert und erstmals startet, wird nach dem üblichen Aufruf des Server-Managers einen Hinweis auf dem Desktop finden, dass er seine Server und auch seine Windows-Clients nun auch mit Hilfe der Browser-basierten App Windows Admin Center verwalten kann.

Wir haben uns angesehen, wie Windows Admin Center, das zunächst unter dem Codenamen "Project Honolulu" bekannt geworden ist, auf den Rechner gelangt und wie Admins damit arbeiten können. Microsoft bezeichnet das Admin Center in der Dokumentation unter anderem als die Weiterentwicklung der bekannten, in den Windows-Systemen integrierten Verwaltungstools, wie Server-Manager und Microsoft Management Console (MMC).

Windows Admin Center installieren

Wer dem von Microsoft angebotenen Link zum Download des Admin Centers folgt, landet im "Windows Server Evaluation Center", wo die Software in der Kategorie der Server-Testversionen zu finden ist. Das ist etwas missverständlich, handelt es sich bei dieser Lösung doch um eine Freeware-Version, die unbeschränkt und nicht nur 180 Tage verwendet werden kann. Dabei steht dieses Tool ausdrücklich auch für den produktiven Einsatz zur Verfügung. Nach dem Herunterladen einer nur circa 70 MB großen MSI-Datei kann Windows Admin Center installiert werden.

Der Anwender muss sich danach entscheiden, wo er die Software installieren will. Microsoft schlägt vier unterschiedliche Szenarien für die Installation vor:

  • direkt auf einem lokalen Client-Rechner unter Windows 10,

  • auf einem sogenannten Gateway-Server mit Zugriff von den Clients,

  • direkt auf einem der verwalteten Server im Netzwerk (beispielsweise dem Mitgliedsknoten eines Clusters),

  • oder Bereitstellung auf einem Failover-Cluster.

Während sich die Installation auf einem lokalen Windows-10-Rechner (der selbstverständlich über eine Verbindung zu den zu verwaltenden Systemen verfügen muss) sich besonders für erste Tests und kleine Netzwerke eignet, dürfte die Installation auf einem Gateway-Server, auf den die Nutzer dann von den damit verbundenen Clients zugreifen können, die von IT-Abteilungen präferierte Methode darstellen. Wir haben die Software für diesen Bericht sowohl auf einem Window-10-System als auch auf einem Gateway-Server unter Windows Server 2019 installiert und ausprobiert. Unternehmen, die einen Cluster oder auch einen Failover-Cluster betreiben, werden diese Art der Installation sicherlich vorziehen.

Windows Admin Center starten

Grundsätzlich kann ein Administrator mit dem Windows Admin Center Systeme unter Server 2019, Windows Server 2016, Windows Server 2012 R2, Windows Server 2012, Windows 10 sowie Azure Stack HCI (Hyperconverged Infrastruktur) verwalten. Weitere Versionen können beispielsweise auch über in Domänen eingebundene Windows-10-Instanzen verwaltet werden, auf denen Windows Admin Center Gateway installiert ist.

Der Zugriff auf das Windows Admin Center erfolgt immer über einen Browser, wobei Microsoft hier den eigenen Edge- oder den Google-Chrome-Browser als "moderne Browser" empfiehlt. Wir haben im Testbetrieb auf allen Windows-Systemen den aktuellen Edge-Browser eingesetzt, der ja auf Chromium aufsetzt. Dabei gab es weder bei der Darstellung noch bei den Zugriffen irgendwelche Probleme. Wer unbedingt Mozilla Firefox einsetzten will, der von Microsoft offiziell nicht für Windows Admin Center unterstützt wird, kann in der Dokumentation auf den Microsoft-Seiten immerhin einige Hinweise zu dessen Einsatz finden.

Das Gateway von Windows Admin Center verwaltet die anderen Systeme mit Hilfe von Remote-PowerShell und WMI (Windows Management Instrumentation) über WinRM (Windows Remote Management). Das Gateway ist Teil des MSI-Installationspakets. Während es beim Zugriff auf aktuelle Windows-10- und Windows Server 2019-Systeme keinerlei Probleme und Einschränkungen gibt, verwendet das Windows Admin Center Features der PowerShell, die unter Windows Server 2012 und Windows Server 2012 R2 standardmäßig nicht zur Verfügung stehen.

Wer diese Systeme, von denen ja noch viele im Einsatz sind, mit Windows Admin Center verwalten will, muss dazu zuvor das Windows Management Framework (WMF) der Version 5.1 auf diesen Servern installieren. Auch zur Verwaltung von Microsoft Hyper-V Server 2016 und Microsoft Hyper-V Server 2012 R2 kann Windows Admin Center zum Einsatz kommen. Für die Verwaltung von Windows Server 2008 R2 stellt Microsoft jedoch nur eine eingeschränkte Funktionalität bereit.

Auch wenn Microsofts Admin Center als Weiterentwicklung der bisherigen Tools zur Server-Verwaltung unter Windows gelten soll, gibt Microsoft zu, dass die Software zwar viele gängige Szenarien verwalten, aber nicht alle herkömmlichen MMC-Tools (Microsoft Management Console) vollständig ersetzen kann. Hier finden Sie eine detaillierte Auflistung aller Tools, die in Windows Admin Center enthalten sind.

Startet ein Administrator das Windows Admin Center, findet er in der Browser-Oberfläche neben der allgemeinen Übersicht über die verbundenen Systeme auch alle grundlegenden Einstellungen und Konfigurationsparameter wieder. Das reicht von Active Directory über Backup und Standarddienste wie DHCP und DNS bis hin zur PowerShell (hier gibt es auch bereits vorkonfigurierte Skripte, die ein Administrator einsetzen kann) und den virtuellen Computern/Switches auf den Systemen. In der generellen Übersicht stehen dem Administrator neben dem aktuellen Status von CPU, Arbeitsspeicher und Netzwerk auch gängige Möglichkeiten wie Neustart oder Herunterfahren eines Servers zur Verfügung. Dass dieses Tool von Microsoft für die eigenen Systeme und IT-Umgebungen entwickelt wurde, zeigt sind dann nicht zuletzt auch daran, wie weitreichend die Funktionen sind, die zur Verbindung mit Azure-Hybrid-Diensten zur Verfügung gestellt werden.

So können Administratoren mit Hilfe der Software sowohl virtuelle Computer schützen als auch eine Cloud-basierte Sicherung und Notfallwiederherstellung betreiben. Dabei gelang es uns im Test problemlos, neben der Verbindung zu den lokalen Systemen in unserem Testnetzwerk auch eine Verbindung zu den hybriden Azure-Diensten aufzubauen und mittels Azure Backup eine Sicherung unserer Windows-Server-2019-Instanz in der Cloud vorzunehmen. Zu den weiteren Möglichkeiten, die Windows Admin Center als hybride Lösung zur Verfügung stellt, zählt die Erweiterung der lokalen Kapazitäten in Azure hinein. Die Netzwerkverbindungen mit und in Azure kann der Nutzer ebenfalls einfach ansteuern.

Insgesamt ist die Integration so gestaltet, dass ein Systembetreuer einfach zwischen lokalen und Azure-Ressourcen hin- und herwechseln kann, sofern er vorher eine Verbindung zu seinem Cloud-Bereich aufgebaut hat. So kann der Admin dann eben auch die von Azure in der Cloud bereitgestellten Dienste nutzen, um seine IT-Infrastruktur damit zu verwalten. Dazu stehen den IT-Fachleuten in der Oberfläche Hyperlinks zum Azure-Portal zur Verfügung, so dass sie sich die verbundenen Azure-Ressourcen plus einer Ansicht der eigenen Hybrid-Umgebung anzeigen lassen können.

Windows Admin Center getestet: Definitiv einen Blick wert!

Wir haben in den letzten Jahren bereits eine ganze Reihe von Werkzeugen angeschaut und ausgetestet, die Administratoren bei der Verwaltung ihrer Systeme zur Hand gehen. So war unsere erste Reaktion auf diese Software im Browser zunächst auch wenig euphorisch, Unterschiede zu anderer Software dieser Art waren kaum erkennbar. Doch bei näherer Betrachtung zeigte sich dann, dass die Entwickler aus Redmond hier gute Arbeit geleistet haben, beziehungsweise immer noch leisten, denn die Software entwickelt sich konstant weiter. Das betrifft ganz besonders die gute und relativ nahtlose Anbindung an die Azure-Ressourcen.

Gerade noch rechtzeitig stand uns zu Beginn der Testphase Version 2009 des Admin Centers zur Verfügung. Wer sich - wie wir zunächst auch - über die Bezeichnung wundert: Das bedeutet nicht etwa, dass es sich um alte Software handelt, sondern Microsoft nennt es das Release "Twenty oh-nine" für das Jahr und den Monat, in dem dieses Release zur Verfügung gestellt wurde. Es gibt bei Microsoft anscheinend eine eigene Abteilung für derart verwirrende Versionsbezeichnungen, denn auch bei den Windows-10-Releases werden diese ja immer in rascher Folge (auf Version 2004 folgt nun 20H2) geändert.

Aber abgesehen von der merkwürdigen Nomenklatur bietet diese neue Ausprägung des Windows Admin Center eine Reihe von Verbesserungen und Erweiterungen. So können Anwender, die die hyperkonvergente Clusterlösung Azure Stack HCI (Hyperconverged Infrastruktur) für das Hosting von virtualisierten Windows-/Linux-Workloads und Speicher-Ressourcen in einer lokalen Hybridumgebung einsetzen nun auch auf die Azure-Kubernetes-Dienste zurückgreifen. Insgesamt haben die Entwickler mit diesem Release die Möglichkeiten zur Verwaltung von Containern deutlich verbessert und erweitert. Administratoren können jetzt nicht nur Images erzeugen, sondern auch Container-Features installieren und die Container direkt ausführen.

Zudem wurden auch die Tools für die Verwaltung von virtuellen Maschinen und für SMB-Dateifreigaben (Server Message Block) verbessert und erweitert. Mit dieser Version des Windows Admin Center ist es für die Systembetreuer nun auch möglich, die Live-Store-Migration der virtuellen Maschinen vorzunehmen oder eine VM zu klonen. Die Anzeige der Dateifreigaben auf dem jeweiligem System wurde jetzt in den Bereich Datei verlegt und die Anzeige der Dateifreigaben zeigt dem Nutzer in dieser Version auch weitere Informationen zu den lokalen und UNC-Pfaden (Uniform Naming Convention) in der Übersicht an.

Besondere Erweiterungen für die Lösungen von Partnerunternehmen wie Dell EMC PowerPath oder HPE OneView (als Preview) und HPE Storage Manager gehören ebenfalls zur aktuellen Version von Windows Admin Center. Die Möglichkeit, die Fähigkeiten und Features durch Erweiterungen von Drittanbietern zu ergänzen, ist ein weiteres Argument, das für diese Software spricht.

Wer in seinem Unternehmen Windows-Server und -Clients verwalten muss und noch keine Lösung dafür im Einsatz hat, sollte unbedingt einen Blick auf das kostenlose Tool Windows Admin Center werfen. Es ist schnell und leicht installiert, gut zu bedienen und bietet eine breite Unterstützung für Verwaltung und Betrieb der Windows-Systeme. Ein Pluspunkt ist auch die Tatsache, dass diese Software konstant weiterentwickelt wird. IT-Profis können darauf bauen, dass auch die kommenden technischen Entwicklungen bei den Windows-Betriebssystemen durch dieses Werkzeug abgedeckt werden.

Wer gemischte Umgebungen mit Linux-Servern im Netzwerk hat, wird sich die Frage stellen, ob es irgendwann möglich sein wird, auch diese mit dem Windows Admin Center zu verwalten. Microsoft schreibt dazu auf seiner Webseite, dass es entsprechende Kundennachfragen gäbe und man sich mit diesen Möglichkeiten beschäftige. Einen konkreten Zeitplan gäbe es aber noch nicht. In diesem Zusammenhang wird auch die Möglichkeit angedeutet, dass es dann nur eine Unterstützung geben könnte, die sich auf eine Konsolenverbindung dieser Systeme über SSH (Secure Shell) beschränkt.