Mitarbeiterbindung

Betriebsklima entscheidet über Verbleib

22.02.2023
Von 
Hans Königes war bis Dezember 2023 Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Die emotionale Verbundenheit der Mitarbeiter zum Unternehmen ist ausschlaggebend für das Bleiben oder Gehen. Das sagt jeder zweite von 1.001 befragten Führungskräften des aktuellen HR-Reports 2023 von Hays und des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE).
Wenn es darum geht, Mitarbeiter nicht zu verlieren und ans Unternehmen zu binden, sollten Arbeitgeber nicht die große Bedeutung einer starken Firmenkultur unterschätzen.
Wenn es darum geht, Mitarbeiter nicht zu verlieren und ans Unternehmen zu binden, sollten Arbeitgeber nicht die große Bedeutung einer starken Firmenkultur unterschätzen.
Foto: Rawpixel.com - shutterstock.com

Wie bereits auch in den vorangegangenen Umfragen zu beobachten war, spielt nach Meinung der Befragten das gute Betriebsklima (82 Prozent) die wichtigste Rolle, wenn es darum geht, Mitarbeitende zu binden. Darüber hinaus sehen sie die Unternehmen bei der Verbesserung einer markt- und leistungsorientierten Entlohnung (70 Prozent) sowie bei einer verstärkten Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (52 Prozent) in der Pflicht. Das vieldiskutierte Thema Flexible Arbeitszeiten sehen ganze 57 Prozent hingegen bereits als umgesetzt.

Mitarbeitende vermissen die Wertschätzung ihrer Leistung

Wenn es darum geht, die Mitarbeitenden zu binden, ist das Verhalten der Führungskräfte ebenfalls ein wichtiger Faktor. Nach Aussagen der Befragten fühlen sich viele Beschäftigte von ihren Vorgesetzten noch zu wenig gesehen und ihre Leistung wertgeschätzt. Daher erhielt der Punkt der Anerkennung für Leistungen mit 73 Prozent die höchsten Zustimmungswerte. 54 Prozent beklagen außerdem, dass sich die Führungskräfte nicht genügend Zeit für ihre Anliegen nehmen.

Auch in puncto Personalentwicklung stehen die Zeichen klar auf persönliches Weiterkommen. 46 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass abwechslungsreiche Aufgabenfelder bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (45 Prozent) klar auf das Bindungskonto einzahlen. Wer seinen Angestellten ausreichend Zeit (62 Prozent) und praxisnahe Lernangebote (64 Prozent) zur Verfügung stellt, wird mit Treue belohnt. Wobei die Leistungsorientierung (61 Prozent) für die Befragten mehr zählt als die reine Qualifikationsorientierung (36 Prozent).

Zuviel Gießkannenprinzip

Trotz der verbreiteten Erkenntnis, dass die Mitarbeiterbindung etwas zutiefst Individuelles ist, gibt knapp die Hälfte der Befragten an, keine individuellen Maßnahmen einzusetzen. 20 Prozent der Befragten setzt positionsabhängige Maßnahmen ein. Andere persönliche Kriterien wie Alter, Lebensphase oder Dauer der Betriebszugehörigkeit spielen keine Rolle.

Für die Mitarbeitenden sind individuelle Karriereperspektiven laut Report jedoch wichtig. Wobei sich der Karrierebegriff nicht allein auf einen hierarchischen Aufstieg bezieht. 48 Prozent der Befragten sehen die Gleichwertigkeit von Fach-, Projekt-, und Führungslaufbahnen als förderlich für die Mitarbeiterbindung. Mehr als die Hälfte spricht sich dafür aus (54 Prozent), dass die Karriereplanung die individuelle Lebensphase berücksichtigen sollte. Breite Zustimmung finden auch Maßnahmen, die Austausch und Miteinander fördern. Erst recht, wenn sie sich in kurzen Entscheidungswegen (53 Prozent) oder Handlungsspielräumen (47 Prozent) äußern.

"Mitarbeiterbindung muss Chefsache werden"

"Mitarbeiterbindung ist ein kritischer Wert, der für den Erfolg von Unternehmen immer wichtiger wird. Sie muss täglich gelebt werden und für die Mitarbeitenden spürbar sein. Wenn die Menschen eine immer größere Wahlfreiheit am Arbeitsmarkt haben, sollte die Mitarbeiterbindung zur Chefsache werden," so Christoph Niewerth, Hays COO DACH und Nordeuropa.

Der HR-Report ist eine jährlich durchgeführte Studienreihe der Hays AG und des Instituts für Beschäftigung und Employability IBE. Am HR-Report 2023 haben insgesamt 1.001 Entscheiderinnen und Entscheider aus Deutschland (71 Prozent), Österreich und der Schweiz (je 14 Prozent) teilgenommen. Dabei kommt die Hälfte der Befragten (50 Prozent) aus dem Dienstleistungsbereich, 32 Prozent stammen aus dem Industriesektor und 18 Prozent aus dem öffentlichen Sektor. Der komplette HR-Report kann hier heruntergeladen werden.