Übernahme von Activison Blizzard

Spuckt die EU Microsoft in die Suppe?

17.01.2023
Von Redaktion Computerwoche
Die EU-Kommission hat Einwände gegen Microsofts Plan, den Gaming-Riesen Activision Blizzard für 69 Milliarden Dollar zu übernehmen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Verliert nicht die gute Laune, obwohl er allen Grund dazu hätte: Satya Nadella, CEO von Microsoft.
Verliert nicht die gute Laune, obwohl er allen Grund dazu hätte: Satya Nadella, CEO von Microsoft.
Foto: Microsoft

Einen offiziellen Kommentar von den Kartellbehörden der Europäischen Union gibt es derzeit noch nicht. Die Wettbewerbshüter wollen sich mit ihrer Entscheidung bis zum 11. April 2023 Zeit lassen. Allerdings haben Reuters-Journalisten von anonymen Insidern erfahren, dass Microsoft die Übernahme des Anbieters von Spielen wie "Call of Duty", "World of Warcraft" oder "Candy Crush Saga" nicht leicht gemacht werden dürfte.

Demnach soll dem Unternehmen in den kommenden Wochen eine kartellrechtliche Warnung ("Statement of Objections") zugesandt werden. In den USA hatte auch die Federal Trade Commission (FTC) wettbewerbsrechtliche Bedenken gemeldet und angekündigt, gegen den Deal zu klagen. Für Microsoft dürfte es schwierig werden, die Übernahme wie geplant bis zum 30. Juni 2023 unter Dach und Fach zu bringen.

Microsoft will doch nur spielen

Vor einem Jahr hatten die Redmonder erklärt, Activision Blizzard für 68,7 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Der Xbox-Anbieter verspricht sich davon, im Markt für Computerspiele besser gegen Rivalen wie Sony, Nintendo und Tencent bestehen zu können. Das Ziel soll mit Entschlossenheit weiterverfolgt werden. Man werde mit der EU-Kommission zusammenarbeiten, um wettbewerbsrechtliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen, hieß es. Schließlich verfolge man nur das Ziel, "mehr Spiele zu mehr Menschen" zu bringen - dazu werde die Übernahme entscheidend beitragen.

Doch Rivale Sony sorgt sich um seine Playstation-Geschäfte, sollte ein Blockbuster wie "Call of Duty" nicht mehr auf der Konsole verfügbar sein. Warum es allerdings so weit kommen sollte, ist nicht klar: Microsoft ist daran interessiert, seine Spiele auf allen Plattformen weiter anzubieten. In Sachen Call of Duty wurde dem Wettbewerber Nintendo ein entsprechendes Angebot für die nächsten zehn Jahre unterbreitet. Auch Sony soll ein Angebot vorgelegt worden sein.

Es geht auch um das Metaverse

Microsoft braucht Activision Blizzard nicht nur für ein besseres Standing im Gaming-Markt. Es geht genauso um den Einstieg ins Metaverse-Business, für den die Gamer wichtige Bausteine liefern sollen. "Gaming wird eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Metaverse-Plattformen spielen", hatte Microsoft-CEO Satya Nadella anlässlich der Ankündigung der Übernahme vor einem Jahr gesagt. Auch das 2014 für 2,5 Milliarden Dollar übernommene Mojang ("Minecraft") und die 7,5 Milliarden Dollar teure Übernahme von ZeniMax Media aus dem Jahr 2020 sollen Microsoft helfen, virtuelle Marktplätze im Gaming-Umfeld entstehen zu lassen.

Für Nadella ist der Widerstand der Kartellhüter nicht nachvollziehbar: "Wenn der viertgrößte Anbieter auf dem Markt ein wenig Inhalt dazubekommt, wo ist das Problem?", fragte der Microsoft-Chef laut einem Bericht der "FAZ" am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos. Wenn man an die Stärken des Wettbewerbs glaube, müsse man für dieses Geschäft sein. Für Nadella sei es unverständlich, wie kurzsichtig die Kartellwächter mit Blick auf Activision Blizzard mit dem Thema Wettbewerb umgingen.