CIO des Jahres

CIO des Jahres 2019

Innovation meets IT-Management

27.11.2019
Von 
Jens Dose ist Editor in Chief von CIO. Seine Kernthemen drehen sich rund um CIOs, ihre IT-Strategien und Digitalisierungsprojekte.
Zum 17. Mal kam die deutsche CIO-Community auf Einladung der COMPUTERWOCHE und des CIO-Magazins zusammen, um ihre Erfolge zu feiern. Mit der neuen Location in Berlin und dem erstmals verliehenen Startup Award standen nicht nur die Projekte der ausgezeichneten CIOs sondern auch das Event selbst ganz im Zeichen der Innovation.

Fast 500 CIOs und ihre Begleitungen kamen am 21. November 2019 im Berliner Motorwerk zur Verleihung des Awards "CIO des Jahres" zusammen. Die neue Event Location könnte nicht besser zum Thema der Veranstaltung passen: Im Motorwerk wurden ab 1921 mit Elektro-, Luftschiff- und Flugzeugmotoren Technologien hergestellt, die voranbringen und Horizonte erweitern.

Getreu diesem Innovationsgeist war der erste Höhepunkt des Abends auch ein Blick auf zukünftige statt vergangene Erfolge. Mit dem "Young Talent Award" fördert die CIO Stiftung seit 2011 die Managementausbildung junger, herausragender IT-Talente. Die Preisträger erhalten ein MBA-Stipendium an der WHU, Otto Beisheim School of Management, und der Kellogg School of Management. 2019 ging der Preis an Karl-Christian Lauk von Axel Springer, der sich in die Riege von nunmehr 30 vielversprechenden Toptalenten mit Stipendien im Volumen von bisher insgesamt über 635.000 Euro einreiht.

Karl-Christian Lauk, Axel Springer
Karl-Christian Lauk, Axel Springer
Foto: Foto Vogt

Helmuth Ludwig ist CIO des Jahres in der Kategorie Großunternehmen

"Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich diesen Preis verdient habe," kommentierte Helmuth Ludwig seine Auszeichnung als CIO des Jahres 2019 in der Kategorie Großunternehmen. Vielmehr seien seine Mitarbeiter bei Siemens und vor allem die ausgestreckte Hand der anderen CIOs in Deutschland einer der Schlüsselfaktoren für den Erfolg seines Projekts gewesen. "Diese Community, die es einem erst ermöglicht, in Fahrt zu kommen, ist unglaublich," gab Ludwig an die versammelten Gäste zurück.

Damit traf Ludwig genau den Nerv der Veranstaltung. Denn bei allen Projekten standen nicht nur die CIOs im Zentrum, sondern immer auch der Mensch - seien es die Mitarbeiter, Kollegen, Nutzer und IT-Teams.

Den Preis in der Kategorie Großunternehmen erhielt Ludwig, weil er die Siemens-IT grundlegend transformierte, um IT-seitig schneller auf den Markt reagieren und Innovationen in enger Zusammenarbeit mit den Fachbereichen durchführen zu können. Dazu wurden rund 60 Prozent der IT-Mitarbeiter in den Geschäftsbereichen angesiedelt.

Helmuth Ludwig, Siemens AG
Helmuth Ludwig, Siemens AG
Foto: Foto Vogt

Der "Tanker", nach dem die Siemens-IT von außen oft aussehe, seien in Wirklichkeit mittlerweile eine ganze Menge Schnellbote, so Ludwig. Diese "internen Startups" bewegten sehr viel im Unternehmen. Das gelinge aber nur, wenn der Wille da sei, etwas zu verändern.

Friedrich-Wilhelm Menge ist CIO des Jahres in der Kategorie Public Sector

In der Kategorie "Public Sector" wurde Friedrich-Wilhelm Menge von der Berliner Verkehrsgesellschaft mit dem Preis ausgezeichnet. Mit seinem groß angelegten, von einer breiten Mitarbeiterschaft getragenen Transformationsprogramm hat der CIO eine große IT-Organisation des öffentlichen Sektors neu aufgestellt und modernisiert. Dabei stand der Mensch im Zentrum der Veränderung und Menge gewann die über 15.000 Kollegen der BVG als Digitalisierungsgestalter. "Die Mitarbeiter waren die eigentlichen Macher, sie standen nicht nur im Fokus des Projekts, sondern waren der zentrale Antrieb dahinter," fasste Menge zusammen.

Friedrich-Wilhelm Menge, Berliner Verkehrsgesellschaft
Friedrich-Wilhelm Menge, Berliner Verkehrsgesellschaft
Foto: Foto Vogt

Daniel Kehne erleichtert Integration

Der 2019 neu eingeführte Startup-Sonderpreis ging an Daniel Kehne vom Augsburger Integrationsprojekt Tür an Tür - Digitalfabrik. Seine Mobile-App "Integreat" bietet nach Deutschland Geflüchteten in ihrer Sprache Zugang zu Informationen und Angeboten der Kommunen. Die Einnahmen des Pro-bono-Projekts fließen in den Ausbau und die Weiterentwicklung seines Teams, denn das Projekt wächst, generiert steigende Umsätze und expandiert gerade ins Ausland. Demnächst steht ein Termin in Australien bei den Jungunternehmern auf dem Programm.

Daniel Kehne, Tür an Tür - Digitalfabrik
Daniel Kehne, Tür an Tür - Digitalfabrik
Foto: Foto Vogt

Martin Hofmann vereint 122 Fabriken in der Cloud

Martin Hofmann von Volkswagen erhielt dieses Jahr den Innovation-Sonderpreis für hervorragende Einzelleistungen in Bezug auf Innovationen für das gesamte Unternehmen. Er vernetzt mit der "Industrial Cloud" 122 Fabriken des Automobilherstellers. Zudem würdigt die Jury mit diesem Preis Hofmanns Engagement in Sachen Quantum Computing.

Martin Hofmann, Volkswagen AG
Martin Hofmann, Volkswagen AG
Foto: Foto Vogt

Anke Sax ist CIO des Jahres in der Kategorie Mittelstand

In der Kategorie Mittelstand wurde die CIO der Deutschen WertpapierService Bank, Anke Sax, ausgezeichnet. Das Kernstück des von ihr geleiteten Transformationsprogramms war die Erneuerung der zentralen Wertpapierplattform dwpbank, die eine der größten IT-Anwendungen in der deutschen Bankenlandschaft ist. Bei der Umsetzung lag großes Gewicht auf persönlicher Kommunikation und der Partizipation aller Beteiligten.

Anke Sax, Deutsche WertpapierService Bank
Anke Sax, Deutsche WertpapierService Bank
Foto: Foto Vogt

Die Mitarbeiter seien nie das Problem, sagte Sax. Sie seien schnell begeistert und packten mit an, wenn ihnen Vertrauen, Kraft und Wertschätzung entgegengebracht werde. Bei den Menschen, die das Geld zur Verfügung stellen, sehe das anders aus. Hier bedürfe es viel Überzeugungsarbeit. Dennoch ermutigte Sax die versammelten Kollegen, Innovation weiter voranzutreiben.

Meet the Winners

Nach den Verleihungen bot der Gala-Abend sowohl die Gelegenheit zum Tanzen und Feiern bei Live-Musik, als auch zum ausgedehnten Plaudern und Networken in der Lounge-Area bis tief in die Nacht hinein.

Nach dem offiziellen Teil der Gala bot das zweistöckige Foyer des Motorwerk Raum für angeregte Gespräche, Musik und Tanz.
Nach dem offiziellen Teil der Gala bot das zweistöckige Foyer des Motorwerk Raum für angeregte Gespräche, Musik und Tanz.
Foto: Foto Vogt

Damit war der CIO des Jahres 2019 aber noch nicht vorbei. Am nächsten Vormittag konnten die Teilnehmer beim "Meet the Winners" tiefer in die Materie der preisgekrönten Projekte einsteigen. Den Auftakt der Nachlese bildeten zwei Impulsvorträge - so brauchte Neurowissenschaftler Henning Beck dem Fachpublikum in humorvoll wissenschaftlicher Sichtweise in die Möglichkeiten und Grenzen von künstlicher Intelligenz nahe. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen jedoch die Top-Preisträger Elke Reichart, CIO von TUI, Martin Hofmann, IT-Chef von VW, und Siemens-CIO Helmuth Ludwig, die sich den Fragen von Karen Funk und Wolfgang Herrmann, beide Redaktion CIO-Magazin, und dem Publikum zu ihren Projekten stellten.

Das "Meet the Winners"-Event am dritten Tag wurde mit einem Frühstück im stylischen nHow-Hotel eingeläutet.
Das "Meet the Winners"-Event am dritten Tag wurde mit einem Frühstück im stylischen nHow-Hotel eingeläutet.
Foto: Foto Vogt

Elke Reichart, CIO von TUI, ging näher auf ihr "Agile Cloud Journey"-Projekt ein und bestätigte, dass Blockchain entgegen aller Gartner-Unkereien für den Reisekonzern nicht tot, sondern im aktiven Einsatz sei. Ihr Tipp dafür, wie man Mitarbeiter in der Transformation mitnimmt: Sie machen lassen. Dann komme auch die Zustimmung. Überhaupt arbeite sie schon seit über 20 Jahren nach dem Prinzip "New Work" und nicht erst, seit es in Mode gekommen ist.

VW-CIO Hoffmann wiederum erklärte, dass das für agile Prozesse wichtige "Minimal Viable Product" in der Automobilindustrie nicht uneingeschränkt zum Einsatz kommen könne. Intern werde es maximal ausgereizt, um Innovationen voranzutreiben. Sobald das Produkt jedoch zum Kunden kommt, müsse alles perfekt laufen.

Der Event bot Gelegenheit zum Informationsaustausch und zum Netzwerken gleichermaßen.
Der Event bot Gelegenheit zum Informationsaustausch und zum Netzwerken gleichermaßen.
Foto: Foto Vogt

Helmuth Ludwig ging näher darauf ein, wie Siemens die Kundenzufriedenheit verbesserte. Dafür seien der Zyklus, der Umfang und die Handhabung der Befragungen verschlankt worden. Statt einer Erhebung pro Jahr für alle Services würden nun jeden Monat für jeden Service 2.000 interne und externe User mit drei einfachen Fragen befragt. Damit habe sein Team die Kundenzufriedenheit um 28 Prozent verbessert.

Am Ende gab Ludwig den versammelten CIOs im Raum noch eine Botschaft mit auf den Weg: Um erfolgreich führen zu können, brauche es einen Ausgleich. Führungskräfte sollten sich ab und zu aus dem laufenden Geschäft herausnehmen, damit sie abschalten, neue Ideen entwickeln und sich fokussieren können. Er empfiehlt Hot-Vinyasa-Yoga, Musik oder Joggen.