Das sagt die Deutsche Telekom

GSM-Netz vor dem Aus?

03.11.2023
Von 
Hans-Christian Dirscherl ist Redakteur der PC-Welt.
GSM bildet immer noch die Basis für Sprachtelefonie und SMS. Doch seit Jahren kursieren Gerüchte über die Abschaltung des GSM-Netzes. Wie lange wird die Deutsche Telekom GSM noch in Betrieb halten? Die Antwort.
GSM ist nach wie vor für viele Anwendungen wichtig.
GSM ist nach wie vor für viele Anwendungen wichtig.
Foto: 13_Phunkod - shutterstock.com

Als die deutschen Mobilfunkprovider im Jahr 2021 das 3G/UMTS-Netz abgeschaltet haben, spekulierten viele, dass auch das uralte GSM-Netz vor dem Aus stehen würde. Zumal in der Schweiz das Ende von GSM zum Jahresende 2022 bereits feststand. Ein Pressesprecher eines großen deutschen Premium-Automobilherstellers behauptete 2021 gegenüber der PC-WELT sogar, dass die Deutsche Telekom ihr GSM-Netz bald abschalten werde - der Auto-Mann irrte sich, wie unsere Nachfrage bei der Telekom ergab. Das im Jahr 1990 gestartete 2G-Netz blieb als Basisnetz für mobile Telefonie und SMS bis heute bestehen.

Doch wie sieht es mit GSM (Global System for Mobile Communications) jetzt Ende 2023 aus? Dr. Abdurazak Mudesir, Chief Technology Officer (CTO), hat sich unter anderem zur Zukunft von GSM geäußert. Der Technik-Chef der Telekom stellt ganz klar fest, dass der Telekommunikations-Dinosaurier nach wie vor für diese Anwendungen wichtig sei. Beispielsweise bildet GSM immer noch die Basis für Sprachdienste: Es gibt immer noch Geräte im Telekomnetz, die nur 2G können. Es gebe aber auch Datendienste, die GSM nutzen, zum Beispiel beim Internet of Things und im Geschäftskundenbereich. Zudem sei GSM für das Roaming wichtig: Wenn Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, würden sie oft GSM nutzen.

Die Deutsche Telekom plant deshalb weiterhin nicht die Abschaltung ihres GSM-Netzes. Doch die Telekom sieht sich mit dem Problem konfrontiert, dass ihre Hardware-Partner daran denken, den Support für GSM-Geräte zu beenden. Das bezeichnet Mudesir als "End of Life"-Ankündigungen der Telekom-Partner, also der Gerätehersteller. Diese würden jetzt so langsam bei der Telekom eingehen. Zudem seien 900 MHz, die die Telekom derzeit für GSM nutze, eine sehr wertvolle Frequenz. Diesen Frequenzbereich können man sehr gut für eine bessere Mobilfunkabdeckung in Gebäuden nutzen, oder für größere Reichweiten. Das würde die Telekom bereits machen, indem sie in einem ersten Schritt die Frequenzen zwischen GSM und 4G/LTE aufteile.

Doch bis die Telekom GSM tatsächlich ganz abschaltet, sei noch ein weiter Weg. Das müsse die Telekom erst gemeinsam mit ihren Business-Kunden vorbereiten. Zudem müsse man den Privatnutzern eine Alternative bieten, damit die Sprachqualität keine Einbußen erleide. Hier sind vermutlich gerade ältere Handy-Besitzer, die noch alte Feature Phones ohne 4G-Funktion besitzen (3G ist ja bereits abgeschaltet), ein Problem. Diese würde ohne Mobilfunk dastehen, wenn die Telekom das GSM-Netz abschalten würde.

Eine konkrete Zeitleiste würde für die GSM-Abschaltung also noch nicht existieren, so Mudesir. Allerdings sagt der Telekom-Technik-Chef, dass es dafür "globalen Druck" gebe. (PC-Welt)