Ausstieg aus dem CCD-Business in Europa

Fujitsu stellt das Client-Geschäft ein

03.08.2023
Von 
Ronald Wiltscheck widmet sich bei ChannelPartner schwerpunktmäßig den Themen Software, KI, Security und IoT. Außerdem treibt er das Event-Geschäft bei IDG voran. Er hat Physik an der Technischen Universität München studiert und am Max-Planck-Institut für Biochemie promoviert. Im Internet ist er bereits seit 1989 unterwegs.
Nur noch bis April 2024 wird Fujitsu ihre Client Computing Devices (CCD) in Europa ausliefern. Stattdessen will sich der Konzern auf das Geschäft mit Data Center-Technologien und On-Premises-Infrastruktur-Lösungen konzentrieren.
Derartige Fujitsu-Notebooks werden in Europa nur noch bis spätestens April 2024 ausgeliefert.
Derartige Fujitsu-Notebooks werden in Europa nur noch bis spätestens April 2024 ausgeliefert.
Foto: Fujitsu

Dass Fujitsu dem Geschäft mit Client Computing Devices (CCD), wie Desktop-PCs, Notebooks, Thin Clients, Workstations und Peripheriegeräten, kein allzu großes Gewicht mehr beimisst, war spätestens seit der Schließung des Werks in Augsburg Ende 2018 offensichtlich. Schon zuvor deutete das Joint-Venture zwischen Fujitsu und Lenovo Ende 2017 darauf hin.

So überrascht die heutige Nachricht, dass Fujitsu sich aus dem CCD-Business in Europa komplett zurückzieht, nicht wirklich. Sowohl Gartner als auch die Marktforscher von IDC berichten von auch im zweiten Quartal 2023 weiter zurückgehender Nachfrage nach PC-Clients. Wohl nicht zuletzt deshalb hat sich Fujitsu entschlossen, nun ein "DX-Unternehmen" zu werden. Darunter versteht der japanische Anbieter die Fähigkeit, die digitale Transformation der eigenen Kunden zu unterstützen. Ferner wolle man Lösungen für nachhaltiges Wirtschaften zum Kerngeschäft machen. Hier geht es um die Reduktion des Energieverbrauchs in den Rechenzentren, aber auch um Systeme, die die Energieeffizienz in anderen Marktsegmenten erhöhen und den Ausstoß der klimaschädlichen Gase verringern.

Deshalb konzentriert sich Fujitsu von nun an in Europa auf das Geschäft mit plattformbezogenen Data Center-Technologien und On-Premises-Infrastruktur-Lösungen. Alle bestehenden Support-Verträge rund um Client-Devices und Peripheriegeräte werden erfüllt, CCD-Produkte werden aber nur noch bis April 2024 ausgeliefert. Der genaue Zeitplan und dessen Umsetzung hängen von den lokalen Gegebenheiten ab. Verpflichtungen wie Garantieleistungen oder Wartungsverträge werden auf jeden Fall erfüllt. Ersatzteile werden für fünf Jahre nach der letzten Lieferung, also bis spätestens April 2029, bereitstehen. Denn im Juni 2023 brachte Fujitsu noch eine mobile High-End-Workstation auf den Markt (ChannelPartner berichtete).

Was bedeutet das für die Fujitsu-Partner? Mit ihnen gemeinsam möchte der japanische Konzern ein nachhaltiges plattformbezogenes Data Center-Geschäft mit Server- und Storage-Systemen sowie mit On-Premises-Infrastruktur-Services weiter betreiben. An diesem Business-Modell wird sich ab 2024 auch Fujitsus Partnerprogramm orientieren.

Im Fokus des künftigen Geschäfts liegen Lösungen in strategischen Anwendungsbereichen von Fujitsu-Kunden wie Next Generation SAP, Hybrid Cloud Innovation, Resilient Data Platforms und Data-Driven Transformation. Kommerzielle Angebote für verbrauchsabhängige As-a-Service-Pakete ergänzen den Technologie-Stack, Vertriebs- und Technologiepartner werden in diesen Prozess so gut es geht eingebunden.

Was bedeutet der Ausstieg aus dem CCD-Business für Fujitsu-Mitarbeiter in Deutschland? Auf diese Frage gibt es von Fujitsu noch keine Antwort: Man warte die Verhandlungen mit den lokalen Arbeitnehmervertretungen ab.

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