Open Source Office-Suite

Inhalt defekter LibreOffice-Dateien retten

05.02.2019
Von 
Thomas Rieske arbeitet seit Oktober 2002 als freiberuflicher IT-Fachjournalist und Autor. Zu den Themenschwerpunkten des Diplom-Übersetzers zählen unter anderem Computersicherheit, Office-Anwendungen und Telekommunikation.
Ist LibreOffice, etwa während der Bearbeitung eines Dokuments, abgestürzt, kann es vorkommen, dass sich die Datei anschließend nicht mehr öffnen lässt. Das Büropaket moniert dann gerne einen allgemeinen Ein-/Ausgabefehler. Man kann aber häufig trotzdem noch an den Inhalt kommen, wenn auch teilweise mit erheblichem Aufwand.

Sicherheitskopie erstellen

Ganz gleich, welche der beschriebenen Lösungsmöglichkeiten Sie ausprobieren: Arbeiten Sie nur mit einer Kopie der betreffenden LibreOffice-Datei. Auf diese Weise können Sie immer wieder auf das Original zurückgreifen, auch wenn es beschädigt ist.

Defekte Dateien mit Bordmittel reparieren

Je nachdem, welcher Teil der Datei genau defekt ist, bietet die Office-Suite unter Umständen an, das File mit eigenen Mitteln zu reparieren. Diese Chance sollten Sie nutzen, denn die Selbstheilungskräfte funktionieren oft erstaunlich gut. Im Erfolgsfall öffnet LibreOffice die Datei direkt in der jeweiligen Anwendung, etwa dem Writer, und Sie können überprüfen, ob der Inhalt tatsächlich wiederhergestellt wurde.

Teildaten des defekten ODT-Files wiederherstellen

Falls die Aktion nicht geklappt hat, gibt das Office-Paket in der Regel eine Fehlermeldung aus, die meistens aber nicht viele Rückschlüsse zulässt. Probieren Sie daher als Nächstes aus, ob Sie die in einem ODT-File enthaltenen Teildateien entpacken können. Dazu benennen Sie die Dateiendung von odt in zip um. Die Warnung von Windows können Sie getrost ignorieren. Versuchen Sie anschließend, dieses Archiv zu öffnen - entweder mit dem in Windows 10 enthaltenen Tool für komprimierte Ordner oder mit einem separaten Utility wie 7-Zip.

Erfolgt keine Fehlermeldung, öffnen Sie die Datei content.xml. Sie ist per Default üblicherweise mit dem Internet Explorer verknüpft, aber natürlich lässt sie sich auch mit einem beliebigen Text-Editor aufrufen. Suchen Sie nach dem Tag office:text. Kurz darunter finden Sie dann alle Inhalte.

Defekte ODT-Datei per Text-Editor retten

Sollte sich das Archiv nicht öffnen lassen, können Sie einen letzten, allerdings ziemlich aufwendigen Weg probieren. Benennen Sie die Extension der defekten Datei von odt in txt um. Auch hier können Sie wieder die Warnung, die Windows ausgibt, ignorieren. Nun öffnen Sie das File in einem Text-Editor, zum Beispiel Notepad++. Sie werden außer wenigen Zeilen im Klartext viele scheinbar willkürlich aneinandergereihte Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen sehen, als wäre die Datei verschlüsselt.

Als Nächstes gilt es, nur den Nutzteil, also den eigentlichen Text, zu selektieren. Darunter fallen alle Zeilen, die nicht mit einem Sonderzeichen, Schrägstrich oder einer geschweiften Klammer beginnen. Diesen Inhalt kopieren Sie aus dem Editor und fügen ihn in ein neues LibreOffice-Dokument ein. Danach speichern Sie das Dokument, schließen es und öffnen es erneut. Falls alles geklappt hat, erscheint nun der Inhalt.

In einem kurzen Test erwies sich die letztgenannte Methode allerdings als recht fehleranfällig, insbesondere, weil es bei der korrekten Auswahl oft zu Fehlern kommt. Während der verwendete Editor eine Nebenrolle spielte, gelang die Rettung eher bei Dateien, die mit dem älteren LibreOffice 5x erstellt worden waren. (hal)