Unternehmen kürzen IT-Budgets

Digitalisierung auf Sparflamme

14.09.2020
Von  und

Prof. Dr. Dries Faems ist Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship, Innovation und Technologische Transformation an der WHU - Otto Beisheim School of Management.



Simon Hülsbömer betreut als Senior Project Manager Research Studienprojekte in der IDG-Marktforschung. Zuvor verantwortete er als Program Manager die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT - inhaltlich ist er nach wie vor für das "Leadership Excellence Program" aktiv. Davor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
Während viele Unternehmen ihre Geschäftsmodelle pandemiebedingt digitalisieren, schürt die gleichzeitige Kürzung der IT-Budgets Zweifel an einem Langfristeffekt.

Dieses Bild zeichnen aktuelle Zahlen, die IDG Research Services im Juli und August 2020 in zwei Befragungswellen im Rahmen der demnächst erscheinenden Studien "Cyber Security 2020" und "Cloud ERP 2020" unter insgesamt 1020 CIOs, Geschäftsführern, Vorstandsmitgliedern, C-Führungskräften und Abteilungsleitern aus verschiedenen Unternehmensbereichen aller Branchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhoben hat.

IT-Budgets werden selten erhöht

Auf der einen Seite wird deutlich, dass die große Mehrheit der Befragten ihre Geschäftsaktivitäten durch die Covid-19-Pandemie stärker digitalisiert hat. Auf der anderen Seite gibt jedes dritte Unternehmen zu Protokoll, das IT-Budget in diesem Zuge nicht erhöht zu haben - vier von zehn Befragten berichten sogar von Kürzungen.

Durch Corona ist der Grad der Digitalisierung des Business' in vielen Unternehmen gestiegen, gleichzeitig wurden aber vielerorts die IT-Budgets gekürzt. (Angaben in Prozent. Kombiniertes Ergebnis aus den IDG-Studien und "Cyber Security 2020" und "Cloud ERP 2020". Basis: n=1020. Die Umfrage wurde ganz überwiegend unter Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern durchgeführt.)
Durch Corona ist der Grad der Digitalisierung des Business' in vielen Unternehmen gestiegen, gleichzeitig wurden aber vielerorts die IT-Budgets gekürzt. (Angaben in Prozent. Kombiniertes Ergebnis aus den IDG-Studien und "Cyber Security 2020" und "Cloud ERP 2020". Basis: n=1020. Die Umfrage wurde ganz überwiegend unter Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern durchgeführt.)

Überraschend ist das insofern, als sich Akademiker und Digitalisierungsexperten darin einig sind, dass für eine erfolgreiche Digitalisierung von Geschäftsaktivitäten der Aufbau einer soliden und integrierten IT-Infrastruktur erforderlich ist, die die Grundlage für die Entwicklung und Ausführung digitaler Angebote bildet. Mit anderen Worten: Unternehmen müssen zuerst digitalisieren, bevor sie mit der Digitalisierung beginnen können. Folgt man diese Argumentation, könnte man erwarten, dass eine stärkere Digitalisierung auch höhere IT-Budgets impliziert - das ist augenscheinlich aber nicht der Fall.

Bergsteigen ohne Seil

Kurzfristig laufen so nicht wenige Unternehmen Gefahr, in ihren IT-Abteilungen einen "Burnout-Kontext" zu schaffen. IT-Abteilungen sind unerlässlich, um die laufenden Bemühungen der Unternehmen um mehr Digitalisierung zu unterstützen, scheinen aber oft keine zusätzlichen finanziellen Mittel dafür zu erhalten. Längerfristig besteht das Risiko, dass Unternehmen neue digitale Investitionen in eine veraltete IT-Infrastruktur tätigen. Bildlich gesprochen ist das wie das Besteigen eines Berges ohne Seile. Es mag sich am Anfang sehr aufregend anfühlen, aber es wird wahrscheinlich verheerende Folgen haben, wenn der Weg schwierig wird.

Obwohl die Geschäftsmodelle digitaler werden, ist das Geld für die IT oft nicht da. Das kann mittel- und langfristig zu Problemen führen.
Obwohl die Geschäftsmodelle digitaler werden, ist das Geld für die IT oft nicht da. Das kann mittel- und langfristig zu Problemen führen.
Foto: ImageFlow - shutterstock.com

Unternehmen sollten mehr Konsistenz zwischen ihren digitalen Ambitionen und IT-Investitionen schaffen. Wenn sie die Digitalisierung ernst nehmen wollen, müssen sie auch sicherstellen, dass sie über eine solide IT-Basis verfügen, um ihre Pläne zu verwirklichen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten mag eine Erhöhung des IT-Budgets nicht der naheliegendste Schritt sein - es ist aber eine notwendige Voraussetzung, um der digitale Marktführer der Zukunft zu werden.

Ausführliche Zahlen demnächst

Die ausführlichen Ergebnisse der Corona-Befragung finden Sie in den demnächst erscheinenden IDG-Studien "Cyber Security 2020" (Oktober 2020) und "Cloud ERP 2020" (November 2020).